Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

John Lennon: A journey (through time)

There’s nothing to see here!

Some random guy in New York City.

Das Dakota Building vor drei Jahren. Ein junger Mann erreicht in diesem warmen September verschwitzt das Gebäude, als oben zitierte Aussage aus dem Mund eines vorbeiziehenden Radfahrers schallt. Der New Yorker behält Recht – es gibt nichts zu sehen. Darum ging es dem jungen Mann aber auch nicht. Nach 37 Jahren gab es dort nichts zu sehen und doch hat es ihn dorthin gezogen. Und im Jahr 2020 hat sich an dem Umstand, dass es nichts zu sehen gibt, bestimmt nichts verändert. Heute sind also 40 Jahre vergangen, seitdem John Lennon dort kaltblütig erschossen wurde. Eine unbegreifliche Geschichte. All die Einzelheiten erneut aufzuwärmen, überlasse ich an dieser Stelle aber dem Rolling Stone, der sich dem Thema mittels einer Titelstory widmet.

2020

In diesem Jahr sitzen Freunde, Komplizen, zusammen in einem Wohnzimmer. Sie trinken Sekt-Mate mit Wodka und versuchen ein Polaroid-Foto aufzunehmen. Auf diesem sollen die oft präsenten Lennon-Konstanten von zweien dieser Freunde zusammengebracht werden. Bei der einen handelt es sich um eine Mütze, die ein junger Mann seit 2013 trägt. Um ehrlich zu sein, es ist seine zweite Mütze dieser Art, die erste verlor er bei einer feuchtfröhlichen Feierei im Silbersack. Und auch dort waren diese Freunde zusammen. Diese Mütze trägt das Konterfei des Ex-Beatles. Ein Selbstportrait, welches sich auch auf ihrem Arm wiederfindet. Auf der Mütze ist es bunt, in Farbe, das Tattoo ist gestochen in schwarzen Linien. Es wird experimentiert. Der Auslöser gedrückt. Das fertige Polaroid? Wir sind zu dicht dran gewesen, es ist etwas unscharf, wie die Erinnerungen, die langsam im Treibsand der Zeit verschwinden. Was bleibt, ist diese Momentaufnahme, die nun den Beitrag schmückt.

Quelle: YouTube, johnlennon

So keep on playin’ those mind games together
Doin’ the ritual, dance in the sun
Millions of mind guerrillas
Puttin’ the soul power to the karmic wheel
Keep on playin’ those mind games forever
Raisin’ the spirit
Of peace and love

John Lennon – Mind Games

Habe ich in diesem Jahr schon einmal für seine Musik geschwärmt, ist dieser Tag ein erneuter Anlass das musikalische Erbe zu feiern und zu würdigen. Imagine, Isolation, Cold Turkey, Oh Yoko!, Jealous Guy, das zitierte Mind Games. Die Liste an wirklich starken, tollen und auch schönen Liedern ist lang. Inspirierend, sich selber in Frage stellend, verarbeitend oder auch anklagend (How Do You Sleep?), die Themen waren vielfältig. Langeweile – Fehlanzeige.

Wem tatsächlich dran gelegen ist, mehr über die Schaffensprozesse, die Zeit in New York, zu erfahren bevor vier Kugeln diesem Leben ein Ende bereiteten, dem sei John Lennon: The New York Years von Bob Gruen ans Herz gelegt. Wunderbar warm und ehrlich geschrieben, eine schier unzählige Auswahl an Fotos. Allesamt aus der Zeit gefallen, eingefangene Momente. Wer sich dafür die Zeit nimmt, der kann vielleicht verstehen, warum junge Menschen das Selbstbildnis von John Winston seit sieben Jahren auf dem Kopf oder seit über einem Jahr auf dem Arm tragen. Imagine, es ist eine Utopie.
Wie Lennon selbst sagte: ‘It’s just a bloody song!’
Aber ist dem tatsächlich so?

Es ist tragisch, dass Double Fantasy die letzte Veröffentlichung bleibt. Nicht aufgrund der Musik, es ist die Tatsache, dass noch viel mehr hätte folgen können. Dass dieses TV-Interview von 1975 sein letztes ist, ebenso bitter. Aber wirklich sehenswert! Und vielleicht ist es auch das, um was es heute gehen sollte. Nicht um Verbitterung. Sondern darum, das zu genießen, was geblieben ist. Die Musik, eben solche Auftritte, Fotografien, sich mit simplen, aber revolutionären Gedanken auseinandersetzen. Eine Inspiration im Schaffen dieses Mannes finden.

Auf die Frage, wen ich gerne noch interviewen würde, lautet meine Antwort John Lennon. Es ist nicht mehr möglich. Doch wäre er bestimmt ein interessanter Gesprächspartner. Man könnte zusammen über Paul McCartneys Rockdown lachen. Über die Entwicklung des Fernsehens sprechen. Was würde Lennon zu Netflix sagen? Wäre er nicht an diesem Tag vor 40 Jahren verstorben, hätten sich vielleicht sogar die Beatles wieder zusammengefunden? Wer weiß! Doch dies ist für mich eine Gedankenspielereie ohne großen Wert. Sich lieber mit dem auseinandersetzen, was tatsächlich ist und bleibt. Das ist von größerem Nutzen und bereitet Freude!
In diesem Sinne, allen eine besinnliche Zeit in diesen verrückten Zeiten:

Quelle: YouTube, johnlennon

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