Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Ein Tanz mit: Broncho

Sind wir uns schon einmal begegnet?”
“Nein, ich denke nicht.”
“Das letzte Mal, als ich hier war, habe ich ein paar Interviews gehabt. Eines davon war in einem Bett und es war mit einer Frau. Und das warst nicht du.”
“Jep, das war nicht ich.”

Molotow, Oktober 2019.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Tanzes, den ich mit Ryan von der fantastischen Band Broncho getanzt habe. Als wir uns Anfang Oktober getroffen hatten, hätte ich nie gedacht, dass ich nach dieser tollen Nacht so lange für dieses Interview brauchen würde. Nun aber, keine erneute Verspätung und begrüßt den besten Kerl aus Oklahoma:

Nur damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe:
Star Wars oder Star Trek?
Star Wars natürlich. Aber je älter ich werde, umso mehr gefällt mir auch Star Trek. Klar, ich bin mit Star Wars aufgewachsen und bin da auf ganz vielfältige Art und Weise mit verbunden. Aber Star Trek bedient sich viel an der Wissenschaft und die Wissenschaft hat sich einer Menge Dinge von Star Trek angenommen. Weißt du, verschiedene Menschen, die für die NASA, für Weltraumprojekte arbeiten, sagen: “Diese Idee haben wir tatsächlich von der und der Episode Star Trek, als sie …”. Also da passiert einiges und das ist echt spaßig mit Star Trek. Das holt mich echt ab! Aber ich bin ganz klar ein Star Wars-Kind!

Quelle: YouTube, bronchoband

“There’s no contempt.
There’s only acceptance and love
and communication.”

Als ich darüber ein zweites Mal nachgedacht habe, kam mir die folgende Frage in den Sinn:
Glaubst du oder glauben die anderen in der Band an so etwas wie Gott?
Nein. Also nicht an einen traditionellen Gott. Ich spreche da jetzt mal für uns alle und ich denke, da sind wir uns einig: Wir wissen es einfach nicht. Ergibt das Sinn?
Oh, das ist total in Ordnung!
Da kann ich mich natürlich ewig dran aufhalten:
Es war ganz natürlich, die Erde brachte das Leben hervor, es entstanden die Menschen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Aliens kamen und Menschen an verschiedenen Stellen ausgesetzt haben. Ich weiß es nicht (lacht)! Es könnte alles sein! Und ich wäre nicht geschockt. Was auch immer es wäre. Ich wäre geschockt, wenn es diese traditionelle Art von Gott wäre. Das wäre ein Schock!

Das letzte Mal wart ihr 2017 in Hamburg.
Ganz einfach, was magst du an Hamburg?
Lass mich zurückdenken. Hier gibt es sowas wie einen Kanal, richtig? Und da sind ein paar U-Boote. Ich mag das. Hamburg wirkt wilder als die anderen Städte, die als wild bekannt sind. Ich denke, dass Hamburg tatsächlich wild ist. Es sind immer die Städte, die damit nicht so plakativ umgehen, die sind am Ende die wildesten! Jetzt wo ich hier bin, sehe ich doch viel davon. Aber außerhalb höre ich mehr von anderen Städten, die wild sein sollen und dann kommst du hier an und merkst: “Ah Hamburg, das ist die Party-Stadt!”

Dieser Ort, an dem wir mit den Queens Of The Stone Age gespielt hatten, wenn ich mich da richtig erinnere, war eine große Turnhalle, eine Art Arena, aber eben klein.
Die Sporthalle.
Ich mag diesen Ort. Ich erinnere mich an die Show. Diese Nacht hatte echt Spaß gebracht. Es war gemütlich! Und es war groß dort, aber auf dieser Tour haben wir an manchen Nächten vor 20.000 Leuten gespielt.
Also war es schon klein.
Es war klein, irgendwie gemütlich und man dachte so: “Uuuh, ich mag das!” Aber dennoch, 8.000 Leute! Das hat sich wirklich nach weniger angefühlt. Es war eine tolle Nacht!

Ryan from Broncho

RyanBronchoBackstageIn Bezug auf euren Song Get In My Car.
Wen würdest du gerne mit auf eine Spritztour nehmen?
Hmm, ich glaube, da habe ich nie drüber nachgedacht! Jeden, der Lust hat mitzufahren!

Jemand im heutigen Publikum hat einen Platz auf der Gästeliste gewonnen. Und ich dachte mir, lasse ich ihn doch auch zu Wort kommen.
Er möchte wissen:
Wie habt ihr als Band zusammengefunden und wie und wo war euer allererster Auftritt?
Der allererste Auftritt war in meinem Wohnzimmer.
Und wie war der?
Es war toll, alle meine Freunde waren verwirrt, aber es schien, all hätten sie Spaß. Ich hatte Spaß! Unsere zweite Show war in einem Laden namens Crystal Pistol und das war einer meiner Lieblingsauftritte! Es war hinten in dieser Bar und da ist das Dach wirklich sehr hoch und alles ist einfach nur schwarz. Und dann war da so viel Krimskrams in dieser Bar, die übrigens einem Freund gehört. Er sammelt all dieses Zeug und ich liebe es. Ich denke dann nur: “Hätte ich nur den Platz all das aufzubewahren!” Meine Mutter hat mal über sowas gesprochen, also hat sie das an mich weitergegeben. Also das liebte ich an diesem Laden und er hatte immer das beste Zeug da rumfliegen. Das war unsere erste Show außerhalb meiner Wohnung. Ich mag den Laden. Und so haben wir angefangen.

Und ihr habt euch einfach getroffen?
Vor Broncho spielten wir zusammen in anderen Bands. Ich habe eben diese Songs geschrieben, ein paar Demos aufgenommen und jeder, der am Ende in der Band gelandet ist, hat sie gehört. Ich hatte sie ihnen zugeschickt. Zu dem Zeitpunkt haben wir alle in verschiedenen Bands gespielt. Also waren sie halt einfach gerade da, haben sich das Zeug angehört und bevor wir wussten, was eigentlich los war, haben wir Auftritte gebucht.
Oh, wirklich? Unglaublich!
Ja, am Anfang war das alles echt einfach. Wir haben Shows gespielt und dann kamen Leute an, die meinten: “Spielt doch mal in Lawrence!”. Oder jemand hatte dort einen Freund: “Ihr könnt gerne hier spielen!” Freunde haben uns Shows in St. Louis gebucht und in Chicago haben wir dann unsere eigene Show gebucht. Wir fingen einfach an, spielten in Dallas, Austin, Kansas City, St. Louis, Chicago, von da an lief es quasi wie von selbst.
Eines führte zum anderen …
Ja genau, es ist einfach passiert. Wir mussten nicht zu viel dafür tun. Das war echt toll!

Am letzten Freitag habt ihr mit den Kings Of Leon gespielt und ich kann mir vorstellen, dass es echt groß war!
Jetzt spielt ihr in einem kleinen Schuppen wie dem Molotow.
Fühlt sich das nicht verrückt an?
Wir sind alle verrückt, also ist es egal. Weißt du, es hilft uns verrückt zu bleiben (schmunzelt)!
Wie war der Auftritt?
Es war toll!
Und wie kam es dazu?
Nun ja, sie haben diesen neuen Park in Oklahoma City aufgemacht. Und die Stadt wollte das feiern, also haben sie sich die Kings Of Leon geholt. Und dann haben sie uns gefragt, ob wir auch spielen wollen. Das ist auch einfach passiert. Wir haben ein paar gemeinsame Freunde, also gibt es da schon eine Verbindung. Vielleicht gehen wir auch mal zusammen auf Tour.

Es fühlte sich so an, als würden wir gefragt, ob wir mit ihnen spielen wollen. Mir ist das gar nicht bewusst gewesen, dass das so ein Ding der Stadt ist. Ich dachte, sie fragen uns und das fand ich toll! Da hatte ich mich echt drüber gefreut! Und dann fand ich heraus, dass es eine Veranstaltung der Stadt ist: “Oh, na gut. Aber immerhin spielen wir mit ihnen.” Also es war gut. Ich war schon immer ein Fan von ihnen. Das sind Jungs aus Oklahoma. Klar, es war toll mit ihnen eine Show zu spielen!

A talk with Ryan from Broncho

Vor ein paar Tagen habe ich ein Interview mit einem anderen Musiker gelesen und der sagt: Rockmusik ist tot.
Wie denkst du darüber?
Nun, wahrscheinlich ist die Rockmusik für viele Menschen tot. Ich denke, andere Dinge stehen mittlerweile im Rampenlicht. Also vielleicht hat sich Rock ‘n’ Roll verändert. Ich denke nicht, dass er tot ist, dass ist witzig, dass so zu sagen, weil dann klingt es so: “Er ist verdammt nochmal tot!”

Weil vielleicht ist er nicht mehr das, was er mal war. Aber da sind bestimmt andere Dinge, da sind eine Menge andere Dinge, die ihre eigene Version von Rock ‘n’ Roll sind, sich aber nicht zwangsläufig im Genre Rock befinden. Aber da gibt es Leute, die ihre Sichtweise auf kulturelle Dinge äußern, so wie es anfänglich der Rock ‘n’ Roll tat. Aber auf eine andere Art und Weise, so wie Leute eben sagen, das ist Punk, das ist Rock ‘n’ Roll, was auch immer.

Es kann eine Einstellung sein, es muss nicht zwingend das Genre sein, aber es kann ein Gefühl sein. Und ich denke, das ist noch immer die Stimmung. Es sind halt andere Dinge, die dem nun ähneln. Viele Frauen werden nun groß in ihrem Genre. Bestimmte Dinge werden größer, einige müssen einen Schritt zurücktreten.
Das ist einfach etwas, was passiert und es ist gut, dass es diese Veränderung gibt. Denn letzten Endes muss sich Kultur immer etwas verändern, also gehst du da mit und machst einfach weiterhin was du tust. Sicherlich lieben noch immer viele Menschen Rock ‘n’ Roll, aber es ist vielleicht anders als …
Vielleicht die 80er, die frühen 90er.
Ja, es ist ein bisschen wie mit Sport. Fußball ist hier echt groß, also spielen das all eure großen Sportler. Es ist überhaupt nicht so groß in den Staaten, weil da alle Sportler andere Sportarten ausüben und das ist halt die Veränderung. Ich denke, wenn jeder nur das machen würde, wäre es größer.

Aber jeder macht andere Sachen. Und dann liegt es wahrscheinlich auch mit am Internet, da gibt es mehr Zugänge zu verschiedenen Dingen, da gibt es so viel mehr! Es gibt nicht nur eine Straße, die jeder nehmen muss. Da gibt es jetzt eine unendliche Anzahl an Straßen. Mehr Leute nehmen bestimmte Straßen und auch andere Straßen und einige werden gar nicht befahren. Und das ist manchmal auch gut. Manchmal ist das ein schlechter Weg, also lasst uns aufhören, diesen Weg einzuschlagen. Und dann gibt es Straßen, die die Leute wieder nutzen, obwohl wir dachten, dass wir sie hinter uns gelassen hätten. Wir dachten, wir hätten diese Straße gesperrt und nun wird sie wieder genutzt?! Genauso ist es in der Politik, da gibt es wieder einen bestimmten Anteil an Hass, der wieder hochkommt. Ich dachte, damit wären wir durch, aber es passiert wieder. Das ist das gute und schlechte an unserem Straßensystem.

Danke Ryan!

Das war ein schönes Gespräch und eine tolle Nacht, die zu vielen anderen unglaublichen Nächten geführt hat. Auch ein Dankeschön an Jonas für die starken Bilder, schön, dich dabei gehabt zu haben!
Broncho? Bis zum nächsten Mal!

Text, Interview & Polaroid-Bild: René Biernath
Bilder: Jonas Giese
Instant Film: Black & White, For Use With 600, Classic White Frame (Expired)

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