Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Status Quo

Es ist heiß, einer der letzten heißen Tage des Jahres.
Und ich stehe in Hamburg, bereit Status Quo zum Interview zu treffen. Erneut, doch dieses Mal kommt Francis Rossi mit Verstärkung, denn er bringt Richie Malone mit, den neuen Gitarristen der Truppe. Der Grund für unser Zusammentreffen? Das Erscheinen des 33. Studioalbums, Backbone. Nach tatsächlich nun mehr 8 Jahren die erste Platte mit neuen Songs und natürlich gibt es da ein paar Fragen zu klären. Im Vorfeld lese ich die Autobiografie Rossis (I Talk Too Much), fühle mich also vorbereitet, dennoch bin ich etwas nervös, als ich mit folgendem Eisbrecher das Interview beginne …

Für die Leute, die die neuen Songs noch nicht kennen.
Habt ihr endlich den vierten Akkord gefunden?
Richie (kichert): Das ist heute das zweite Mal.
Francis: Das ist nicht so schlimm, wirklich. Wir haben noch zehn Tage vor uns. Es ist schon lustig. Mach dir einfach selbst dein Bild, ob ja oder nein, es ist mir egal.
Richie: Dieses Mal haben wir ihn gefunden. Da sind ein paar Akkorde auf der Platte. Einer der Songs hat vier Akkorde.
Francis: Tatsächlich?
Oh, welcher?
Richie:
Du musst versuchen ihn zu finden. Das ist das Spiel!

Status Quo sitting in the lounge of the Mövenpick Hotel

Status Quo in der Cave Bar des Mövenpick Hotels.

Richie, in der Band zu sein, von der du schon wirklich lange ein Fan bist, ich weiß gar nicht wie lange, aber du hast sie das erste Mal mit 13 Jahren live gesehen. Ich meine, das muss doch unglaublich sein! Nun habt ihr zusammen eine Platte aufgenommen.
Die meisten meiner Leser sind junge Menschen.
Was denkst du, ist Backbone auch ein Album für junge Leute in 2019?
Francis:
Das müssen sie selber sagen, meinst du nicht?
Richie:
Ja, ich denke auch, das ist ihre Meinung. Wenn das ihr Ding ist, wenn sie diese Art von Musik mögen.
Francis: Einer der guten Aspekte des Internets ist, dass junge Leute sich einfach etwas anhören oder auch anschauen können und dann entscheiden sie sich, ob sie es mögen oder nicht. Im Vergleich zu den 70ern oder 80ern, da herrschte viel mehr Gruppenzwang „Das magst du nicht“ oder „Das solltest du mögen.“
Also könnte das ein ja sein …
Francis:
Das kann man einfach nicht sagen, oder? Hier kommt einer in seinen Zwanzigern zum Konzert und jemand anderes in dem Alter, sagen wir mal aus Frankfurt, denkt wir sind sind scheiße. Tja? Und ich denke nicht, dass Status Quo so toll oder so scheiße sind. Wir sind wie jeder irgendwo in der Mitte.
Richie: Es kommt wirklich auf die Person an.

In deiner Autobiografie erwähnst du den ersten Song auf Backbone:
Waiting For A Woman, den du mit einem deiner ältesten Kollegen geschrieben hast, Bob Young.
Und du verlierst auch viele gute Worte über Richie.
Habt ihr zwei am Ende auch einen Song zusammen geschrieben?
Francis:
Nein. Natürlich denkt man, man muss einen Song für das Album schreiben und ich dachte, vielleicht könnte ich, Andrew oder auch John einen Song mit ihm schreiben. Aber das Problem dabei ist, wir würden unser Alter, unsere Erfahrungen mitbringen. Und ich habe eine Menge Songs geschrieben, ganz verschiedene Sachen. Und diese Erfahrung wäre dann mit eingeflossen. Denn wenn du dir seine Songs anhörst, das ist definitiv ein Song von einem jüngeren Mann! Ich hätte das nicht schreiben können, auch nicht John oder Andrew. Also war es am besten, ihn einfach machen, ihn tief in den Prozess eintauchen zu lassen und dann schauen wir, was er uns geben kann. Und ich denke, es ist ein toller Song, ich hätte ihn nicht schreiben können.
Richie: Du hast schon geholfen, als wir im Studio waren. Klar hat Francis mit ein paar bestimmten Wörtern und Teilen geholfen. Aber das tolle an dem fertigem Song ist, dass ich noch immer mein Demo raushören kann. Obwohl es schön glattpoliert ist, ist es toll, dass die ursprüngliche Idee es geschafft hat.
Francis: Eine andere Sache, die wir bei den Aufnahmen gemacht haben: Bei allen Songs war das anfängliche Demo immer die Grundlage. Ob wir das nun auf dem Telefon aufgenommen haben, Andrew und ich haben das oft gemacht, einmal vor unserem Bus, als wir einen freien Tag hatten, da haben wir Mittags einfach mit einer Drum Machine begonnen, haben dazu unsere Akustik-Gitarren gespielt und das war dann unsere Grundlage. Genauso war es mit Richie. Er hat uns sein Zeug geschickt und das war dann die Grundlage. Das heißt, immer wenn es sich nicht mehr gut angefühlt hat, hast du dich zu weit von der ursprünglichen Idee entfernt. Dann verlierst du etwas und genau das ist der Grund, warum das Album für uns funktioniert.

Ich denke und hoffe, dass ihr im Studio den selben Spaß wie im Video für Backbone hattet.

Quelle: YouTube, earMUSIC

Es wirkt wirklich so, als würdet ihr gut miteinander auskommen und euch einfach wohlfühlen.
Also, hast du eine lustige Geschichte aus dem Studio zu erzählen?
Richie:
Nein, nicht aus dem Studio, das war alles so neu für mich. Aber natürlich haben wir immer Zeit gefunden, um rumzualbern, uns Streiche zu spielen. Es war einfach etwas fokussierter, als die Leute vielleicht denken.
Francis: Das stimmt.

Richie:
Wenn die Leute an Rick denken, sagen sie immer sowas. Wir waren fokussiert, wollten ein Album aufnehmen. Also haben wir zwischen den Aufnahmen unseren Spaß gehabt. Da gibt es diese Aufnahmen, wo Francis versucht einen Gesangspart aufzunehmen und er sagt: “Verdammt! Scheiße! So ein Mist! Nochmal!”
Francis: Aber er hat das mit dem Gesang echt gut gemacht, sehr gut sogar. Nicht viele Leute, die neu im Studio sind, machen das so gut. Ich habe das von vielen Sängern gehört. Und wir hatten alle unsere Probleme. Er nicht so sehr, das muss man ihm lassen! Er steht da einfach: “Kannst du das so machen? Da noch etwas höher? Ja, super! Geht noch das? Ja, danke!” – Fertig. In dem Tempo ist das entspanntes Arbeiten. Am Ende des Tages ist das echtes Glück! Okay, um ehrlich zu sein, es gibt eine Sache, ich habe ihn an der Gitarre etwas nervös gemacht. Aber das ist unfair von mir. Ich war überrascht!
Richie:
Ich fand es einfacher zu singen, als die Gitarre aufzunehmen.
Francis:
Was für viele in totalem Widerspruch stehen würde. Also das hat er echt toll gemacht!
Wirklich nett von dir das zu sagen.
Francis:
Aber es ist die Wahrheit. Ich würde das nicht aus Freundlichkeit sagen, er hat es wirklich gut gemacht. Dafür habe ich ja gesagt, dass er aus einigen Gründen an der Gitarre etwas nervös war.

Also Francis, hast du einen Lieblingssong auf Backbone?
Francis:
Nein, ich habe all die Songs ausgewählt. Bei dieser Platte habe ich die komplette Kontrolle übernommen. Ich habe gesagt, ich mache es, wenn ich sie produziere, die Stücke aussuche, sage, wenn sie bereit und am Ende fertig sind. Er (Richie) hat da gestern und heute etwas wirklich gutes zu gesagt. Wenn du das Album hörst, denkst du so: “Yeah!”. Und das kommt immer etwas auf deine aktuelle Stimmung an. Tatsächlich war der Eröffnungssong einer meiner Favoriten, der hatte auch so eine Stimmung im Studio und ja, da war es genauso: “Yeah!” Und dann habe ich ihn an einem anderen Tag gehört und dachte: “Oh, wieso hat der etwas nachgelassen?”

Status Quo Interview

Richie und Francis haben Spaß!

Eine Frage an euch beide und vielleicht wollt ihr darüber diskutieren. Aber dafür braucht ihr Rückgrat!
Was denkt ihr, für Status Quo, heißt es da Star Wars oder Star Trek?
Francis:
Star Trek!
Richie: Wieso Star Trek?
Francis: Star Wars ist viel mehr Fantasy …
Richie:
Star Trek ist mehr ein Team, stimmt’s? Star Wars sind so viele verschiedene Charaktere. Ich denke, ich muss zustimmen. Ich wollte Star Wars sagen, aber einfach weil ich eben Star Wars mag.
Francis:
Oh, ich mag Star Wars. Aber nein, ich denke Star Trek.
Richie:
Ich bevorzuge Star Wars, aber ganz klar, wenn wir hier vergleichen müssen, Star Trek.

In unserem letzten Interview sagtest du, dass es kein neues elektrisches Album geben wird. Nun, Pläne ändern sich, so ist es im Leben. Aber Last Night Of The Electrics, all diese Dinge …
Denkst du nicht, dass sich einige Fans echt verarscht fühlen?
(Die Antwort gibt es auf Englisch auch hier zu sehen.)
Francis:
Ja, natürlich denke ich das. Es ist halt eigenartig im Showbusiness. Da kann ich ihnen nicht helfen. Es tut mir leid. Ich hatte wirklich nicht vor das zu tun. Ich wollte sie definitiv nicht zum Narren halten. Und ich wollte definitiv kein Album aufnehmen. Aber es gab so viel Druck, sie (die Band) wollten es, die Manager, mein Agent, die Plattenfirma, alle wollten, dass ich es tue. Und dann haben einige gesagt, wir sollten nicht ohne Rick weitermachen. Und da dachte ich nur: “Ach, wirklich? Fickt euch, genau das werde ich tun!”
Genau, du erwähntest das in deinem Buch, du bist noch nicht fertig.
Francis:
Richtig! Genau das gleiche mussten Rick und ich uns auch anhören, als wir uns von den anderen trennten. Sie sagten, wir sollten nicht wieder anfangen. Ach ja, wirklich? Danke, das hat mich echt angespornt! Ich sage nicht, dass ich das nicht überwunden habe oder dass ich es nicht hätte tun sollen. Und wenn mit dem Album irgendwas nicht stimmt, dann ist das ganz allein mein Fehler. Die Schuld nehme ich dann auf mich.

Shooting Status Quo on Polaroid.

Status Quo werden auf Polaroid gebannt.

Status Quo

Richie Malone und Francis Rossi.

Status Quo with us

Danke Status Quo!

Danke fürs Durchlesen und hoffentlich habt ihr das Interview genossen!
Backbone, das neue Album von Status Quo ist nun endlich auf dem Markt! Viel Spaß damit und hinterlasst gerne einen Kommentar!

Text, Interview & Polaroid-Bilder: René Biernath
Bilder: Jennifer Weber (natural light moments)
Instant Film: Color, For Use With 600, Classic White Frame

 

 

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