Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Pabst – Eine Momentaufnahme

Wer wie ich im letzten Jahr zum Konzert von Itchy wollte (alte Zeiten und so), hatte vielleicht auch noch mitgeschnitten, dass Pabst die Vorband stellen sollten. Reingehört, für cool befunden, aber nicht weiter dran geblieben. 2020 hatte genug andere Ablenkungen zu bieten. Das Wort mit C schenke ich mir einfach mal. Doch als in diesem Jahr Musik per Zufallswiedergabe einen gemütlichen Abend beschallt, horche ich auf. Das ist doch Kiss Me! In einer schweinegeilen Version! Ich hechte zum Handy, checke den Interpreten und es sind: Pabst!

Und in diesem Moment fällt die Entscheidung, ein Interview anzufragen.
Um euch nicht ins kalte Wasser zu schubsen, gibt es hier ein Porträt, welches gleichzeitig einen kleinen Eindruck der Interviewsituation widerspiegelt. Mit Maske, auf dem Boden des Proberaum sitzend, teste ich den Polaroid-Film, während Erik, Tore und Tilman ein paar Fragen für das Porträt beantworten. Und dann wird es ernst, eine altbekannte Frage bildet den Anfang des Interviews – viel Spaß mit dieser Momentaufnahme!

PabstTestbild

Star Wars oder Star Trek?
Erik: Eher Star Wars für mich.
Zustimmendes Gemurmel kommt aus der Ecke, in der Pabst sitzen.
Erik: Star Trek habe ich noch nie gesehen. (Alle lachen)

Bei dem Thema seid ihr euch also einig.
Wo seid ihr euch denn nicht einig?
Erik: Musik. (erneut kommt Gelächter auf)
Neue Songs schreiben. Ne, Quatsch!
Tilman: Da gibt es bestimmt 1000 Sachen, wa?
Erik: Ich überleg gerade, wir haben doch bestimmt unsere Themen, wo wir einfach immer nicht auf einen Nenner kommen. Also klar, gerade beim Songs schreiben, da gibt es viele Sachen, wo man gucken muss. Sonst reden wir eigentlich auch nie miteinander, es geht eigentlich immer nur um Musik.
Tore: Weil wir es insgeheim wissen, dass wir zu viele Sachen haben, wo wir nicht auf einen Nenner kommen.
Erik: Also nein, da gibt es nichts existenzielles.

Ihr habt auch bereits in der Vergangenheit Stellung bezogen.
“Punch a Nazi”, generell das Video zu Shake The Disease.
Da ihr jetzt ins Studio geht, habt ihr ein bestimmtes Thema im Gepäck?
Erik: Ja nee. Die Themen werden meistens über die Texte transportiert. Also die schreibe ich und da brauche ich immer ewig für. Da kommt dann alles rein, was mich irgendwie juckt. Manchmal sind es sogar Sachen, die sich einfach daraus ergeben, wie die Wegwerfstimme bei der Demo klingt. Also ich singe immer irgendwas und daraus ergibt sich dann oft ein Text. Es ist mehr Zufall. Da gibt es keinen Plan vorher, wir haben kein Konzept. Alles was cool ist, kommt rein.

Was wollt ihr eigentlich aufnehmen?
Ein paar Songs, eine EP, eine Platte?
Tilman: Platte! Also wir haben schon sechs Songs aufgenommen. Und jetzt kommen die nächsten sechs, sieben, acht, keene Ahnung, drei Songs, die wir jetzt so aufnehmen werden? Sodass wir in ein paar Wochen im Prinzip ein komplettes nächstes Album aufgenommen haben werden. Und wann es dann rauskommt, das müssen wir uns dann mit den aktuellen Regelungen und der aktuellen Lage überlegen.
Wollt ihr das dann wieder mit Moses Schneider aufnehmen?
Erik: Als wir mit Moses aufgenommen haben, haben wir uns noch jemand dritten mit ins Boot geholt, Magnus Wichmann. Der hat die Deus Ex Machina gemischt und auch mitproduziert. Was auch immer das heißt, das ist immer ein bisschen unklar, was die da eigentlich machen (schmunzelt). Der hat jetzt auch dementsprechend ein bisschen Vorkenntnisse und wir kennen den auch eh schon etwas länger. Und dann haben wir uns nun dazu entschlossen, das dieses Mal mit ihm zu machen. Der hat auch ein eigenes Studio und dann bildet er mit jemand anderem das Produzententeam. Wir nehmen aber auch mehr oder weniger live auf, das haben wir uns noch so bewahrt. Also wir nehmen zumindest nicht auf einem Klick, nicht jeder einzeln auf. Schon alle zusammen, das haut mit den Songs einfach oft besser hin!

Eigentlich wolltet ihr im letzten Jahr mit Itchy touren, in der Vergangenheit wart ihr bereits mit Kadavar oder auch Drangsal unterwegs.
Mit wem würdet ihr richtig gerne mal auf Tour gehen?
Tilman: Das ist immer so ein bisschen schwierig. Klar gibt es viele musikalische Überschneidungen, wo man das gerne machen würde. Aber manchmal hat man halt überhaupt keinen Bock, diese Leute dahinter kennenzulernen, weil die einem dann vielleicht die Romantik von der Band versauen könnten. Stell dir vor, du hast die Chance mit Queens Of The Stone Age auf Tour gehen zu können. Was für Erik und Tore wohl nicht verkehrt wäre, aber dann stellt sich heraus, dass die Personen absolute Arschlöcher sind.
Erik: Da kann man halt nur hoffen, dass die, wenn es soweit kommt, sich einfach überhaupt nicht blicken lassen. Was man ja auch oft hört …
Tore: Oder was ja uns auch schon passiert ist.
Erik: Dass die einfach so professionell sind, dass die halt vom Hotel auf die Bühne und wieder zurück.
Tilman: Das ist auch immer so ein bisschen traurig, so eine Tour hatten wir ja auch schon.
Erik: Ja, man will sowas glaube ich wirklich nicht eins zu eins miterleben. Solange man weiß, dass es so ist, cool so …
Tilman: Aber auf der anderen Seite ist es natürlich auch total verständlich. Wenn du seit zwanzig Jahren auf Tour bist, es ist eh immer das gleiche, dann hast du auch nicht Bock, dich mit jeder verschissenen Vorband zu unterhalten. (Leichtes Gelächter geht durch die Runde)

Erik: Bei Bob Mould zum Beispiel war das super nett und auf sein Geheiß waren die super lieb zu uns, obwohl wir uns angeblich viel erlaubt hatten. Wir kannten diese Tour-Mentalität noch nicht. Das war wirklich alles Pipi-Kacka, aber der Tourmanager ist an dem einen Tag halb ausgerastet und da wurde uns auch gesagt: “So einfach wird das für euch nicht nochmal. Da habt ihr Glück gehabt.” Je größer das wird, desto unangenehmer … (lacht) Also vielleicht eher eine Band, mit der wir uns einfach super gut verstehen. Also keine Ahnung wer das genau ist, da gibt es einige. Wo es dann einfach flutscht, wir waren mit den Leoniden unterwegs, das war zum Beispiel super cool! Also alle waren bisher cool!
Was habt ihr euch denn auf der Tour erlaubt?
Erik: Zwei Minuten überzogen, nee, zwei Minuten zu früh aufgehört!
Tilman: Ja, beides!
Erik: Einmal so, einmal so. Beim Überziehen haben wir noch gedacht, Scheiße, das muss ja nicht passieren, da nehmen wir einen Song raus. Und dann waren wir zu früh fertig und dann ist der richtig ausgerastet, weil deren Zeitplan dann nicht mehr eingehalten worden konnte. Der ist so krass getaktet, wenn da eine Minute Unterschied ist, dann gerät der völlig aus den Fugen. Wir sind wohl auch angeblich zu spät angekommen, ich habe das manchmal auch nicht so mitgekriegt, was da im Hintergrund abgelaufen ist. Aber ja, die waren doch easy, aber irgendwer meinte auch am Ende: “Na ja, hätte Bob da jetzt nichts gesagt, dann wärt ihr schon längst rausgeflogen.” Und wir nur so, hä, warum? Was haben wir denn gemacht? Wir waren ja nicht fünf Stunden zu spät oder haben deren Zeug kaputt gemacht. Wir haben einfach nur zwei Minuten zu früh aufgehört. Das war schon weird.
Wir haben aber noch immer niemanden gefunden, mit dem ihr gerne auf Tour gehen würdet. Jetzt hole ich mal Tore mit ins Boot!
Tore:
Na, eigentlich wurde das schon gesagt. Man hat halt so die Bands, mit denen man gerne auf Tour gehen würde, aber …
Erik: Wir können es ja so machen: Einmal, egal wie man sich mit denen versteht, einfach nur, weil es fett wäre … und einmal eine Band, die man schon kennt und cool sind.
Tore: Na dann Queens, Queens Of The Stone Age.
Tilman: Ich würde auf jeden Fall gerne nochmal mit Odd Couple auf Tour gehen!
Erik: Da ist es dann auch immer so geil und das wäre bei den Queens halt auch so – die einfach jeden Abend live zu sehen. Dass das nich so Kackmucke ist!

Quelle: YouTube, PabstBand

Im Video zu Ibuprofen gibt es Szenen, die vor ein paar Jahrzehnten wahrscheinlich für Blasphemie-Ausrufe gesorgt hätten.
And he took the pill, gave thanks and broke it and gave it to them saying:
“This is my body, which is given for you. Do this in remembrance of me.”

Was ist euch heilig?
Erik:
Oah, da kann man auch echt nur so richtig kitschige, scheiß Antworten geben. Für mich ist eine der ganz wenigen Sachen, ohne die ich wirklich nicht kann, Musik. Egal, ob ich die höre, ob wir hier spielen, das fehlt mir super schnell. Kann man schon sagen, dass mir das heilig ist. Vor allem, weil das überhaupt keinen Wert hat. Musik ist so geil, wenn man so überlegt: Es ist gesellschaftlich verachtet, man kann damit kein Geld verdienen, es ernährt niemanden, es pflegt niemanden, es macht niemanden gesund. Und es ist aber das Wichtigste auf der Welt. Insofern ist es schon wie so ein Heiligtum.
Tilman:
Was mir wichtig ist und einigermaßen heilig ist und was ich auch brauche, sind körperliche Ausbrüche. Dass man sich halt krass verausgabt. Und sowas kann man halt gut auf einem Konzert machen. Da kann man sich halt wirklich komplett gehen lassen. Einfach komplett jemand anders sein, als wenn man mit seinen Eltern zum Frühstück essen verabredet ist oder zu Hause um 22 Uhr noch einen Film guckt. Das ist was, was ich auf jeden Fall wieder brauche und mir einigermaßen heilig ist.
Tore: Reisen würde ich noch sagen. Das fällt mir jetzt auch durch Corona auf. Halt wegkommen, an anderen Orten sein, dort einfach so rumlatschen, die Eindrücke.

Eure aktuelle Single ist Kiss Me.
Ihr habt den Song derart verwandelt, dass er im Soundtrack von American Pie Platz gefunden hätte. Das dazugehörige Video – mehr geht nicht!
Ihr lacht ja auch schon ein bisschen, wie kam es denn zu dem Ganzen, wenn es schon so ein bisschen abwegig ist?
Erik: Also die Story ist eigentlich richtig langweilig. Ich hab so ein Problem als Gitarrist: Ich kann echt nur Powerchords und so drei Grundakkorde. Und daraus baue ich mehr oder weniger alle Songs, manchmal ist da auch ein bisschen was anderes drin. Ich wollte mir einfach mal Songs anschauen, die interessant für mich klingen – mit Akkorden, die ich noch nicht kenne. Und da war der Song mit bei. Weil, wenn der anfängt, ist man sofort drin. Und diese Akkorde sind ja auch so ein bisschen exotisch. Aber nicht zu sehr, dass es mich schon wieder abtörnt. Irgendwas ist da krass. Dann habe ich mir das angeguckt und gedacht, so krass ist das gar nicht, es ist einfach nur ein Kapo (Kapodaster). Dadurch klingt es ein bisschen anders und der Akkord ist so mittelmäßig weird. Aber jetzt auch nicht so, dass mir da die Kinnlade runtergefallen ist. Wenn man den aber spielt, dann passiert sofort irgendwie was, weil man den Song halt schon 1000-mal gehört hat.

Dann habe ich den mal bei irgendeiner Probe geklimpert, wo unser Manager dabei war. Und der meinte: “Das ist doch Kiss Me, wa? Den müsst ihr mal covern!” Okay, let’s do it. Und dann haben wir das als Schnapsidee relativ schnell umgesetzt. Als wir dann bei Moses waren, haben wir den nochmal aufgenommen. Dann hatten wir den rumliegen und das ist die Story dahinter. Natürlich kommt auch dazu, dass wir öfter mal versucht haben, Sachen zu covern und es da echt gut funktioniert hat
Ihr habt den einfach in euren Song verwandelt!
Erik: Es ist ja auch gefährlich beim Covern, dass man so merkt, oh Gott, der Song ist irgendwie vollkommen anders oder viel komplexer, als die anderen Songs. Oder man merkt, oh, die Songs, die man selber schreibt, sind scheiße. Und der ist ja schon echt gut, vom Writing her. Aber irgendwie passt der trotzdem!

Was mir bei dem Video aufgefallen ist:
Tilman, was ist denn mit deinem Bein los?
Was hast du dir da ums Bein geschnallt?
Tilman:
Achso, ich habe mir mal das Kreuzband gerissen. Und da musste ich ein paar Wochen so eine Schiene tragen. Und das war halt zufällig in der Zeit, in der wir das Video gedreht haben. Aber sonst ist jetzt alles wieder okay.

Ich möchte noch einmal zum Album kommen, Deuce Ex Machina.
Der Song Hell hat mich in der letzten Woche nochmal richtig gepackt. Reines Fantasieprodukt oder stand da eine wahre Begebenheit Pate?
Erik: Zu dem Text, oder was? Ja, also so ganz reine Fantasie ist es nicht.
Klang halt schon ziemlich toxisch!
Erik: Da geht es schon um die Abgründe. Natürlich ist das durch den Song fast ein bisschen lächerlich gemacht. Ich fand das auch ganz interessant, dass es so ein leichtes Klischee nach außen hin ist. Also dieser Classic Rock-Song irgendwie, das ist einfach unser ’70s-Song. Der hieß auch glaube ich als Demo ’70s-Song. Mit dieser Orgel, dann heißt der auch noch Hell. Der Text ist halt schon ziemlich dark und ernst. Ist eigentlich öfter bei den Songs so, sind immer ein bisschen ironisch. Oder viele von uns. Wir machen ja keinen Doom Metal. Es soll dadurch nicht entkräftet werden, aber dass man überhaupt damit umgehen kann, mit manchen Sachen. Eigentlich sind viele Texte relativ düster, aber durch die Musik kann man eventuell einfach besser damit umgehen.

Wir sitzen hier in Berlin.
Kraftklub wollten nicht, euer Kumpel Max ist hergezogen und ihr lebt schon immer hier.
Was bedeutet Berlin denn für euch?
Und jetzt sagt nicht Heimat oder sowas, das wäre ein bisschen billig und auch generell …
Tilman: Familie, Heimat, Liebe! (Wieder wird gelacht)
Erik: Schwer zu beantworten.
Tilman: Also es ist jetzt auf jeden Fall nicht so, dass wir so super krass dran hängen. Das würde einem wohl erst auffallen, wenn man nicht mehr hier ist. Bestimmte Privilegien, sowas wie um 22 Uhr draußen noch was gutes zum Essen zu bekommen. Das würde einem auf’m Dorf oder in fast jeder anderen Stadt nicht passieren. Aber an sich ist es jetzt auch nicht die allergeilste Stadt. Es gibt oder es gab viele Möglichkeiten als Musiker aufzutreten. Das ist ja auch für uns wichtig, in unserem Zusammenhang. Also man hat generell einfach viele Möglichkeiten, aber es ist jetzt trotzdem nicht das Paradies, welches wir uns ausmalen würden, wenn wir die Chance dazu hätten.

Was ist denn scheiße an Berlin?
Tore:
Allgemein gibt es halt in vielen Bereichen auch automatisch immer mehr Competition. In vielen Bereichen, wo man oft sagt, ja, Berlin, da kannst du gut das und das machen, was man anderswo nicht machen kann. Ich finde das oft gar nicht so einfach.
Erik: Man ist auf jeden Fall nicht der erste. Egal was man macht. Es geht ja auch in so viele Bereiche. Was auch das grundsätzliche Leben angeht, Stichwort Wohnungsmarkt. Also alles ist komplett überrannt und es war auch gefühlt schon immer so. Ich kann mich da auch an nichts anderes erinnern. Da sind wir wohl auch zu jung für, um sagen zu können: “Ah, damals, da hat man hier am Prenzlberg, noch eine abgebrochene Bude für 30 Euro im Monat gekriegt!” Die Zeiten kennen wir nicht. Klar, es ist immer alles etwas teurer geworden, aber es war schon immer schlimm, echt überrannt und krass touristisch. Halt auch super kompetitiv. Das trifft es echt ganz gut. Ich habe auch noch nie woanders gewohnt.

Ich kann mir vorstellen, dass man das in anderen Städten nicht so krass hat. Alleine schon, in anderen kleinen, deutschen Städten, also jetzt nicht in Bayern, da weht ein anderer Wind. Freunde von mir, die in Leipzig wohnen, die erzählen da auf jeden Fall nicht so viel. Da kannst du halt mal umziehen, oder einen Job finden. Hier ist das gefühlt immer ein Drama, du kriegst halt nichts, alles ist immer schlimm. Man freut sich auch für niemanden mehr, der eine Wohnung findet, weil man einfach denkt, fick dich, die hätte ich gerne gehabt.
Tore: Ich habe früher mal in einer anderen Stadt gelebt und habe mich damals auch gefreut, mal aus Berlin rauszukommen. Weil ich da zum ersten Mal ein bisschen angenervt war und das gespürt habe. Aber wie Tilman auch schon sagte, man merkt man auch schnell, was man an Berlin misst. Dass die Busse im 3-Minuten-Takt kommen, anstatt im 30-Minuten-Takt. So Kleinigkeiten. Das war in Osnabrück, da habe ich in vier verschiedenen Wohnungen gewohnt und das war halt super easy!
Erik: Der Vorteil ist natürlich echt, was natürlich auch immer eine fiese Kehrseite hat, diese krasse Verfügbarkeit von allem. Jetzt gerade natürlich etwas schlecht. Aber normalerweise kannst du halt immer alles mögliche erleben und alles mögliche machen. Und alles ist auf so eine Art easy, solange es nicht komplett an deine Existenz geht. Dann wird es schwierig. Aber sobald man erstmal angekommen ist, dann ist es halt geil. Ist halt nicht jedem vergönnt und das ist sehr schade und schlimm.

Zukunftsmusik:
Ihr habt eure “Whenever, Wherever”-Tournee angekündigt.
Mit wie viel Humor könnt ihr dem Corona-Thema noch begegnen?
Erik: Humor ist immer wichtig!
Tilman: Ich denke auch. Was anderes kannst du dafür ja eigentlich schon gar nicht mehr für fühlen. Sich drüber aufregen kann man schon nicht mehr, da ist man schon langsam drüber hinweg. Sich dadurch scheiße zu fühlen … – es passiert eh. Und dann ist Humor da vielleicht die einzige Möglichkeit, eine andere Einstellung dazu zu finden.
Erik: Genau, das sehe ich auch so. Sich da sicher zu sein, dass etwas stattfindet oder einen auf zuversichtlich zu machen, das ist lächerlich. Das ist unfreiwillig komisch. Dann lieber da rangehen und sagen, jo, in drei Jahren …
Aber ihr habt noch nicht resigniert.
Erik: Wir haben auch Glück gehabt, das muss man mal sagen. Was die Band angeht. Ich habe da auch etwas drüber nachgedacht, es hätte auch ganz anders kommen können. Wenn eine kleine Stellschraube etwas anders gewesen wäre, dann hätten wir vielleicht nicht mehr weitermachen können. Zumindest diese Zeit.
Welche Stellschraube wäre das denn gewesen?
Erik: Wir haben einfach krass Glück gehabt. Wie wir so als Band aufgestellt und im März letzten Jahres in die Quarantäne Zeit reingekommen sind. Wir hätten da auch einfach unvorbereitet sein können, ohne es natürlich zu wissen. Dann hätten wir vielleicht sagen müssen, Junge, müssen wir uns jetzt alle Full Time Jobs suchen? Und dann können wir erstmal keine Mucke mehr machen, bis Frühjahr ’22 oder so. Hätte auch passieren können. Insofern haben wir noch nicht aufgegeben. Wir machen jetzt ja auch neue Musik.

Das Album war im letzten Jahr dann auch noch rechtzeitig fertig …
Erik: Das war natürlich das typische Corona-Album, was daraufhin auch derbe gefloppt ist. Ich glaube, die Erfahrung haben extrem viele gemacht.
Kann das nicht auch nachziehen, wenn ihr dann tourt?
Erik: Irgendwann ist der Zug vielleicht auch abgefahren. Also als wir die Listening Session zu dem Album hatten, da hatten wir ein paar Leute zum Anhören eingeladen und einige haben schon abgesagt, aus Angst vor Corona. Das war Mitte Februar, kurz vor dem Lockdown. Da hatten wir noch gedacht, im Sommer oder im Herbst können wir ja die Tour zocken. Und jetzt ist es über ein Jahr später. Da ist immer die Frage, wie lange hält sich so ein Momentum?
Tilman: Das wird ein paar Leute freuen, dass sie das Album endlich live hören können. Aber wenn bis dahin schon wieder ein neues Album draußen ist, dann ist der Zug glaube ich gänzlich abgefahren.
Erik: Dieses Album, was halt mal rauskam. Wir können es uns jetzt auch überhaupt nicht erlauben, die Zeit überhaupt nicht zu nutzen. Oder noch länger rumzusitzen und zu warten, dass man dieses Album nochmal präsentieren kann. Das macht überhaupt gar keinen Sinn. Bei einer Band in unserer Größe muss man einfach akzeptieren, dass das Album rauskam und gut. Weiter geht’s! Bei einer größeren Band würde das noch funktionieren. Da könnte man sagen, die Leute warten jetzt, das Album ist schon anderthalb Jahre alt. Bei uns interessiert das glaube ich keine Sau.

PabstAllee

Die letzten Fotos sind aufgenommen, die Band verabschiedet sich in den Proberaum. Meine nun signierte Deuce Ex Machina wandert zurück in die Tasche und ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich nervös war. Pabst, Danke für eure Zeit!

Und tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die sich freuen würden, das Album endlich live hören zu können. Die Tickets für die “Whenever, Wherever”-Tournee und richtig geilen Merch findet ihr übrigens hier! Socken, Pullis, schöne Platten, es gibt sogar noch ein paar letzte Exemplare der limitieren Kiss Me-Scheibe. Da der Song so schön gelungen ist, gibt es nun noch das Video zu sehen:

Quelle: YouTube, PabstBand

 

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