Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Maika Rose – Ein Portrait

Wer ist Maika Rose? Gehen wir dem doch mithilfe einiger Fragen etwas auf den Grund. Was hat die Mitte 20-jährige zur Musik gebracht? Welchen Weg ist sie gegangen, bevor sie an der University of South Wales Contemporary Music Perfomance studierte? Wie komponiert die junge Hamburgerin Songs wie zum Beispiel ihre aktuelle Single? Das Stück “Your Smile”, die erste Auskopplung ihrer kommenden EP! Um es kurz zu halten, lasse ich sie nun selber zu Wort kommen und beginne mit der ersten Frage …

Was hat dich überhaupt zur Musik gebracht?
Ich habe von früh auf an immer gesungen. Das ist tatsächlich so wie in dem Lied Thank You For The Music: “I began to sing long before I could talk”. Es gibt da eine Geschichte, die meine Mutter immer gerne erzählt. Und zwar war ich ungefähr zwei Jahre alt, saß im Einkaufswagen und habe irgendein Kinderlied geträllert. Da kam dann eine Frau vorbei und sagte: “Oh mein Gott, sie macht das ja so schön! Wie toll!” Ich hatte gewartet, bis sie
weg war und hab dann meiner Mutter gesagt: “Wieso sagt sie das? Das macht man halt so!” Weil ich halt nicht verstehen konnte, wie man etwas falsch singen könnte. Einfach, weil ich schon immer Töne treffen konnte.

Und tatsächlich ist es dabei nicht geblieben. Denn acht Jahre nach dem Vorfall im Einkaufswagen begann Maika mit Gesangsunterricht, bis zum Beginn ihrer Unizeit sang sie in Chören. Das Thema Musical prägte zusätzlich einige Jahre, bis nach dem Abitur die Studienwahl zugunsten eines Musikstudiums ausfiel. Und eben diese Entscheidung bereut sie bis heute nicht. Doch dazu später etwas mehr.

Single-Veröffentlichung, Videodreh, Promo, Social Media – machst du das tatsächlich alles selber, oder hast du auch Unterstützung?
Ich habe Unterstützung in Form von einer befreundeten Künstlerin, Dana Rexx. Sie hat mir geholfen, das ganze System zu verstehen, da sie auch schon viel selbst veröffentlicht hat. Zusätzlich hatte ich das letzte Jahr über ein Businesscoaching bei Angela Durrant, sie ist meine ehemalige Gesangslehrerin aus Cardiff. Sie ist mega vernetzt in der Musikwelt. Und eben auch Businesscoach. Das hat mir schon geholfen, dass man Mentoren hat, die sich da auskennen und einem den Rücken freihalten. Aber die ganze Arbeit habe ich quasi selbstgemacht. Was ich nicht alleine gemacht habe, sind die Produktion, die Aufnahmen oder das Mastern.

Nun hast du Your Smile veröffentlicht.
Wie komponierst du deine Musik?
Ich sitze meistens am Klavier. Ich kann zwar ein bisschen Gitarre spielen, aber finde es schwierig, darauf zu komponieren. Mir fehlt da die Akkordfreiheit, die ich mir beim Klavier angelernt habe. Ich fange aber nicht immer mit Akkorden an. Manchmal schon, da habe ich dann eine schöne Akkordfolge, dichte da eine Melodie drüber und dann kommt erst der Text. Anders fange ich auch manchmal mit dem Text an und suche dazu eine Melodie. Wenn die dann so einigermaßen sitzt, suche ich die Akkorde dazu. Das kommt immer ganz drauf an, in was für einer Stimmung man ist. Aber es kann auch eine Melodie sein, mit der alles anfängt.

MaikaRose

Du hattest nun schon Dana erwähnt.
Ihr macht auch einen Podcast zusammen, der ebenso einen Bezug zur Musik hat:
Unboxing Women
Was magst du darüber erzählen?
Tatsächlich hatten wir die Idee auf dem Reeperbahnfestival. Wir haben uns da kennengelernt und sind im Gespräch darauf gekommen, dass sich immer eine Frustration breitmacht, wenn man mit Musikern zusammenarbeitet. Und zwar, dass man sich nicht in der Lage fühlt, seine Ideen auszusprechen. Wenn man sie ausspricht, dann kommen gerne Aussagen wie: “Sie weiß sowieso nicht, worüber sie redet!” Oder: “Oh Gott, ist die wieder nervig”, “Diva” … und im Englischen ist das eben “Bitch”! “She’s being bitchy, she’s being whiny …” Und dabei sagt man eigentlich nur ganz offen seine Meinung. Das hat uns halt echt gestört.

Deswegen haben wir uns gesagt, wir machen da was draus. Das Thema haben wir dann ein paar Monate ruhen lassen. Aber Dana und mir war es von vornherein klar, dass wir da einen Podcast von machen wollen. Als es dann mit Corona losging, hatten wir beide Zeit und eben damit angefangen. In der ersten Staffel waren es mehr Unterhaltungen zwischen Dana und mir, über unsere Erfahrungen in der Musikindustrie. Über verschiedene Szenarien, verschiedene Künstler, denen das auch schon öffentlich passiert ist. Anklagen, Prozesse, wie bei Kesha, Taylor Swift … Das sind so Sachen, die sich häufen. Deshalb haben wir uns gesagt, dass wir für die zweite Staffel mehr Frauen aus der Musikindustrie reinbringen und interviewen wollen. Dass wir sehen, was deren Werdegang war und was die für Probleme hatten. Ob sie schon mal so genannt wurden, auch in welchem Zusammenhang.

Ich finde es einfach total wichtig, dass auch junge Frauen, oder Leute, die sich als Frauen identifizieren, sehen können, dass es ganz viele Wege gibt, in der Musikindustrie Fuß zu fassen. Es ist nie zu spät, auch wenn man älter ist. Man muss einfach drauf achten, dass man sich selbst treu bleibt und sich für sich einsetzt. Dass es da auch ein Netzwerk gibt, auf das sie notfalls zurückgreifen können.
Du meinst jetzt aber nicht euch?
Nein, also es gibt halt tatsächliche Netzwerke. Sie können gerne auf uns zurückgreifen, aber ich meine, in Deutschland gibt es Music Women Germany und die haben zum Beispiel eine Datenbank mit den ganzen Frauen in der Musikindustrie. Das ist super cool! Dann gibt es in Hamburg noch die Raketerei, in Amerika gibt es GBTRS, Girls behind the rock show, das sind alles Gruppen von professionellen Musikerinnen. Da kann man sich austauschen. Es geht darum, dass man einander stützt, einander hilft. Was Frauen sehr gerne machen. Im Gegensatz zu Männern, die oft im Konkurrenzkampf stehen, so wie ich das kenne. Das ist natürlich nicht immer so.

Ich weiß, das (Podcast) machen sehr viele. Aber es war uns wichtig. Und die Leute, die andere nicht erreichen, die erreichen wir vielleicht. Das ist das Grundziel. Wir wollten das nicht mehr zu Tode schweigen und wenn das nur fünf Leute sehen. Was wirklich cool war, wir hatten neulich Kate Odonnell als Gast. Sie ist eine Transfrau und hat halt erzählt, wie das war, als sie von einer Woche auf die andere in ihren Job zurückgekehrt ist. Sie war Lehrerin in einem Youth-Centrum. Vorher war sie halt Lehrer und ist dann als Lehrerin zurückgekommen. Und sie hat sich genauso verhalten wie vorher. Am Ende der Stunde kam dann jemand zu ihr und meinte: “Das war aber bossy!” Durch sowas haben sich mit der Zeit bei ihr Mikroaggressionen aufgebaut. Weil sie immer wieder für etwas betitelt wurde, aber eben erst als Frau. Als Mann wurde da nie etwas gesagt. Dadurch wurde sie dann auch tatsächlich “bitchier”, weil man schon erwartet, dann man so aufgefasst wird. Und um sich durchzusetzen, muss man dann nochmal einen drauflegen. Sie meinte, sie hatte das Gefühl, dass sie als Mann sehr viel freundlicher war. Weil es ihr jetzt nicht erlaubt wird, freundlich zu sein, da man sie dann nicht ernst nimmt.

Neugierig gewordene können die besprochene Folge, aber auch alle anderen vergangenen Episoden hier anhören. Wie wichtig die Frage nach dem Podcast war, wird tatsächlich erst mit ihrer Beantwortung klar. Nun hatten wir Cardiff, Unboxing Women, auch DIY war ein Thema. Eine immer spannende Frage stellt sich doch aber, wenn man über Inspiration spricht.

Was inspiriert dich?
Ich finde einfach, dass Musik so viel Potenzial hat zu helfen. Was mir bei meiner Musik wichtig ist: Dass sie wirklich eine Geschichte erzählt. Und dadurch vielleicht Leuten hilft, die durch ähnliche Situationen gehen. Ich finde es immer wieder inspirierend, wenn ich Leute sehe, die ganz andere Musik als ich machen. Zum Beispiel das Lied Leave A Light On. Das fand ich am Anfang total schrecklich. Aber irgendwann habe ich im Radio ein Interview mit Tom Walker gehört. Da hat er erzählt, dass es in dem Song darum geht, dass er einen Freund hatte, der drogenabhänging und für Monate verschwunden war. Keiner wusste wo er war, ob er noch lebte, ob es ihm gut oder schlecht ging. Ob er auf der Straße gelandet war, ob er eine Überdosis genommen hatte, niemand wusste etwas. Und der Text sagt:

If you look into the distance there’s a house upon the hill
Guiding like a lighthouse
its a place where you’ll be safe to feel our grace
Cause we’ve all made mistakes, If you’ve lost your way

I will leave a light on

Er sagt einfach aus: Ich bin hier, ich will dir helfen, ich weiß nicht, wo du bist, aber ich bin für dich da. Seitdem ist das eines meiner Lieblingslieder. Ich finde sowas einfach inspirierend! Wenn man die Hintergrundgeschichte dazu erfährt, nimmt dieser Song eine ganz andere Rolle an. Er wird tierisch emotional und bringt so viele Sachen aus einem heraus. Das kann man mitfühlen, ist total empathisch und einfach schön. Und solche Reaktionen möchte ich in Leuten erzeugen. Dass es jemanden trifft, jemandem hilft, der vielleicht schon einmal ähnliches durchgemacht hat oder gerade durchmacht. Dass ich dann sage, hey, da ist Licht am Ende des Tunnels! Das ist der Grund, warum ich Lieder schreibe.

Es ist ein regnerischer Nachmittag, an dem immer wieder die Sonne hervorblitzt. Maika Rose trinkt ihren schwarzen Tee ohne Milch. Das lässt aufmerken. Sie erzählt, dass das Musik machen für sie kein Zwang ist, eine vielleicht falsche Entscheidung durchzuziehen. Dieses Frage hat sie sich nämlich bereits gestellt. Nein, sie möchte Popmusik mit einem ehrlichen Konzept und eigenen Ideen veröffentlichen. Also eine klar gelebte Leidenschaft. Ebenso offen erzählt sie von ihrer Entscheidung, nach dem Studium nicht nach London zu gehen, so verführerisch diese Wahl auch gewesen sein mochte. Die dortige Musikszene wäre schon mehr als nur Grund genug.

Zwei Jahre nach unserem Kennenlernen geraten nun einige Dinge ins Rollen. Die nächste Single “When The World Takes Over”, die in absehbarer Zukunft erscheint, die dazu gehörende EP, aber zuallererst das Video zu ihrer aktuellen Single “Your Smile”.
Überraschend und anders. Vorhang auf!

Quelle: YouTube, Maika Rose

Wem das Video gefällt und sich fragt, was als nächstes passiert, diesen Personen sei dieser Link ans Herz gelegt. Denn auf “Startnext” spricht Maika über ihre weiteren Videopläne, die nur mit Unterstützung von außen realisierbar sind!

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