Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Frith Vogel in: Learning To Fly

In seiner bisherigen Paraderolle brillierte Frith Vogel als musikalischer Tausendsassa und begeisterte die bis auf den letzten Platz ausgebuchte Veranstaltung in Hamburg-Hamm! Nach den vorigen Rollen seiner Karriere brachte er am Samstag mit seiner Darbietung als sympathischer Liedermacher das Testpublikum zum Toben! Es scheint klar: Mit einer eingespielten Band im Rücken steht dem Erfolg des Jungstars aus Nordfriesland nichts mehr im Wege! Videomaterial des Auftritts gibt es auf dem Instagram-Kanal der Redekiste zu finden. Doch damit ist es nicht getan, denn nach dem fulminanten Live-Ereignis gab der junge Mann noch ein Exklusivinterview.
Der Griff nach den Sternen: Frith Vogel in Learning To Fly

Der Beginn

Nordfriese, Wahlhamburger, im Hafen Schiffe begrüßen, im Baumarkt beratend zur Seite stehen. Nebenbei scheinbar mühelos ein paar Lieder veröffentlicht.
Frith Vogel, wie bist du an die Musik geraten?
Das ist schon eine ganze Weile her. Ich glaube, ich habe vor so ungefähr 18-19 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen, weil mein großer Bruder damals ein Schlagzeug bekommen hatte. Nicht aus reinem musikalischen Interesse, sondern eher, weil er schlecht in Mathe war. Das ist auch eine ganz lustige Geschichte. Wir hatten einen pfiffigen Grundschullehrer und der sagte halt zu meinen Eltern: “Na ja, ihr Sohn ist leider sehr schlecht in Mathe. Entweder er paukt jetzt die nächsten zehn Jahre, oder, ich hätte da einen anderen Vorschlag, er könnte es auch mit Schlagzeug spielen probieren.” Weil das die beiden Gehirnhälften vernetzt, die logisch und die kreativ denkende. Na ja, dadurch hatten wir ein Schlagzeug bei uns zu Hause stehen und ich habe auch von Tag eins dann mitgetrommelt. Ein bisschen später habe ich Unterricht genommen und halt Schlagzeug gespielt.

Als ich dann 16 oder 17 war, bin ich in Nordfriesland auf dem Dorf bei einer kleinen Party gefragt worden, ob ich nicht Bock hätte, in einer Band zu spielen. Weil die Schlagzeuger kann man da oben an einer Hand abzählen (schmunzelt)! Mit Leichtigkeit sogar. Das hat halt total gut funktioniert, wir haben zehn Jahre zusammen Musik gemacht (Anmerkung: Land in Sicht), bis zu diesem Jahr. Haben jetzt aber aus unterschiedlichen Gründen aufgehört. Also habe ich schon viel musikalische Erfahrung, wir haben viele Auftritte gespielt und haben viel getan und gemacht über die letzten zehn Jahre. Und nun habe ich aber vor einem Jahr angefangen selber Songs zu schreiben und dann war es soweit, dass ich vor einem halben Jahr angefangen habe, das zu veröffentlichen. Das erste Mal war zu Corona, als ich spontan einen kleinen Corona-Song gemacht habe, wie viele Leute. Aber das war so mein Ventil. Ich saß zu Hause rum, hatte Zeit, hatte Bock Musik zu machen, dann ist mir so ein “Fuck Corona”-Song in den Kopf gekommen und den habe ich dann auch einfach mit einem kleinen Video rausgehauen. Das war quasi mein Startschuss.

Quelle: YouTube, Frith Vogel

Normaler Job, Musik machen, wie sieht dein Alltag aus?
Zu dem Baumarkt, da bin ich schon gar nicht mehr. Ich hatte die Schnauze voll. Zum zweiten Mal, muss ich dazu sagen. Nach der Schule habe ich nämlich eine Ausbildung zum Verkäufer im Baumarkt gemacht. In Nordfriesland. Also diese Baumarktgeschichte: Es war immer ein komisches Ding, dass ich das gemacht habe. Irgendwie war das komisch, dass ich in einem Baumarkt gearbeitet habe, weil das eigentlich nicht zu mir passte. Es war immer schon ein bisschen lustig, dass ich das gemacht habe. Und ich habe die Ausbildung auch gehasst, das hat mir wirklich keinen Spaß gemacht.

Jetzt hatte ich zu Corona leider meinen Job in einer Promo-Agentur verloren. Das ging relativ schnell, das war gleich am Anfang. Corona bedingt war das für die nun halt richtig schwierig. Ein hartes Jahr, alle Aufträge sind in einer Woche weggebrochen, dies und das. Na ja, auf jeden Fall war ich meinen Job los und dann hatte lustigerweise ein Bauhaus hier um die Ecke Mitarbeiter gesucht. Man wusste man ja auch nicht, wie lange das alles anhält und ich wollte mir dann auch nicht zu fein sein, somit habe ich mich beworben. Mit meinem Ausbildungszeugnis. Und das hat dann auch noch geklappt. Dann war ich da jetzt über den Sommer. Das war auch okay. Aber lustigerweise haben mich die gleichen Sachen, wie vor zehn Jahren, da nicht froh werden lassen. Da musste ich dann wieder gehen (lacht).

Zurück zur Frage – wie sieht dein Alltag jetzt aus?
Jetzt wo ich gekündigt habe, eigentlich ganz entspannt. Also ich mache viel Musik, weil ich gerade ohne eine weitere Beschäftigung bin. Denn ich werde bald wieder anfangen zu studieren. Ehrlich gesagt, kann ich gar nicht so richtig sagen, dass ich überhaupt einen Alltag habe. Ich kümmere mich um meine Musik-Sachen, schreibe Songs, veröffentliche die und gebe mir da auch Mühe präsent zu sein. Aber ich würde das jetzt nicht als Arbeit betiteln, das ist für mich eher so ein Ding, das mir einfach nur Freude macht. Und je mehr Zeit ich damit verbringen kann, umso mehr ich da machen kann – umso besser! Und ansonsten regle ich gerade meinen Umzug, weil ich Hamburg verlasse.

Wenn ich meinem Streamingdienst Glauben schenke, dann machst du Schlager, Comedy und auch Hip-Hop/Rap. Was ist deine Meinung dazu?
Also ich würde mir jetzt selber erstmal kein Genre als Künstler verpassen. Weil ich mich da gar nicht so drin einsperren möchte. Dazu: Ich habe halt auch lange Musik in einer Rockband gemacht. Was mich da immer so ein bisschen stört, wenn man ein Künstler ist, der eine Musikrichtung macht, dann hemmt einen das doch sehr. Wenn ich gerade eine kreative Stunde habe und dann kommt mir aber so ein Rhythmus in den Sinn, der zufällig zu einem Rap-Song passt, dann will ich das auch machen können. Deswegen setze ich mir da jetzt erstmal kein Genre. Aber, was du gerade gesagt hast, die Songs, die ich rausgebracht habe … Ich nenne es zwar nicht Schlager, aber Popmusik! Und der neue Song, der jetzt gestern rauskam (I Wanna Go With The Flow Und Mit Dir Durch Die Sommernacht), ist auf jeden Fall Rap. Ich rappe da das erste Mal. Man kann es vielleicht auch eher als Unterhaltungsmusik mit deutschsprachigen Texten sehen. Durchaus Popmusik, aber gerne sich auch aus anderen Genres bereichernd, wie Hip-Hop, Rap oder vielleicht auch etwas 80’s Pop. Den mag ich momentan auch gerne.

Frith Vogel im Gespräch

Frith Vogel im Gespräch.

Deine bisherigen Songs, die heutige Livesession, was kommt als nächstes? Eine Platte?
Eine Platte plane ich gerade nicht. Das hat erstmal einen finanziellen Grund, denn das muss man sich erstmal leisten können. Vielleicht nochmal dazu: Ich mache gerade alles selber. Ich nehme die Songs selber auf. Manchmal kriege ich von Freunden ein bisschen Hilfe beim Mixen und Mastern. Also ich gebe dafür kein Geld aus. Und wenn man jetzt eine richtige Platte angehen möchte, dann kommt da ja einiges auf einen zu. Dann muss man eigentlich auch ins Studio gehen, was ich gerne machen würde. Aber das muss man halt auch mieten. Und man braucht vielleicht auch noch ein, zwei Musiker, die einem was einspielen, was man zusätzlich haben möchte. Und, und, und … Das sind Sachen, die ich gerade noch nicht sehe. In der jetzigen Zeit, in der Alben gefühlt eigentlich nur von Musikliebhabern gekauft werden, alles sowieso nur auf Streaming basiert und man hofft, auf eine Playlist zu kommen, da denke ich, dass das mit den einzelnen Veröffentlichungen der bessere Weg ist. Auch rein taktisch, was die Musikwelt angeht, wie konsumiert wird.
Doch Frith wendet sich hier direkt ans Aufnahmegerät:
Wenn irgendwo mal ein Label ein Album finanzieren möchte, dann bin ich offen (lacht), sehr offen dafür!

Eines deiner Vorbilder ist Helge Schneider.
Wenn du jetzt mit ihm sprechen könntest, was würdest du ihm sagen?
Ich würde ihn erstmal fragen, ob ich ihm meine Songs zeigen darf. Weil er mich inspiriert hat, in seiner Art, komplett frei und andersartig Musik zu machen. Denn wenn man so lustige Musik macht, dann läuft man auch immer Gefahr, sich ein bisschen zu blamieren. Jedenfalls kommt einem das so vor. Ich fand das ziemlich beeindruckend, wie er das über alle Stränge schlagend gemacht hat. Das ist ja wirklich richtig weird, wie er da manchmal auftritt. Und das fand ich einfach wirklich sehr, sehr inspirierend. Dass man das einfach auch mal machen muss, wenn man Bock darauf hat. Und dass das auch überhaupt nicht schlimm ist. Das andere ein bisschen über einen lachen, ist ja nichts Schlimmes. Ich habe gehört, dass er jetzt bald wieder Konzerte spielt. Obwohl er eigentlich gesagt hat, dass er das nicht möchte. Da würde ich ihn natürlich fragen, ob er da noch Unterstützung braucht (lacht). Sonst würde mich noch interessieren, wo er damals seinen Mut hergenommen hat, das zu machen, diesen Weg einzuschlagen. Vielleicht auch, wie man es schafft, so viele Jahre so eine lustige Rolle zu spielen. Weil es gibt ja auch Momente, in denen ist man einfach nicht lustig. Ich finde das schon sehr beeindruckend. Wie hält man das durch? Ein Leben im Musikbusiness, als Typ, über den man lacht.

Hamburg, Myspace und der Rest

Zu Anfang des Gesprächs habe ich die Bezeichnung Wahlhamburger fallengelassen. Nun ziehst du um, wo geht es hin?
Ich verlasse Hamburg nicht, weil ich es hier nicht mag, Hamburg ist eine meiner Lieblingsstädte. Ich werde hier auch langfristig wohnen, ich bin halt ein Norddeutscher, ne – bin halt so einer. Aber ich ziehe jetzt in den Osten Deutschlands und zwar richtig doll in den Osten, nach Görlitz. Das liegt am Studium. Ich hätte auch in andere Städte gehen können, wie zum Beispiel Lüneburg, aber ich wollte auch gerne mal raus, wenn sich jetzt schon so die Möglichkeit eröffnet, nochmal zwei Jahre was anderes zu machen. Auch mal woanders zu sein. Ich bin immer im Norden von Deutschland gewesen und wollte gerne mal raus. Lüneburg wäre nicht so richtig raus gewesen. Und Görlitz, ich war da – ich gebe zu, es ist speziell. Es ist auch altbacken und da sind auch viele AfD-Wähler. Ich glaube, die haben da über 30% im Stadtrat, das ist schon echt hart. Aber gleichzeitig ist die Stadt vom Altbaubestand her wunderschön, da ist nie was kaputtgegangen. Die ist einfach optisch, architektonisch richtig schön! Gleichzeitig herrscht da total viel Leerstand, weil da so viele weggezogen sind. Gefühlt steht da jedes dritte oder vierte Gebäude vernagelt leer. Und das lässt halt total viel Raum für Leute, die Lust haben, da was anderes reinzumachen.

Künstler haben sich ein Fabrikgelände geschnappt, leer stehende Wohnungen werden zu Coworking Spaces, dies und das, da gibt es einfach so viel Platz. Ich finde sowas ganz interessant, wenn man alte Gebäude umnutzt, neu belebt, gerne auch mit Musik, was auch immer! Da gibt es ja verschiedenste Möglichkeiten sich auszutoben. Und gleichzeitig finde ich, Görlitz schreckt mich auch ab, dich auch, uns alle, aber das passiert natürlich auch aus so einer kleinen Hamburg-Blase heraus. Also ich meine, eigentlich ist das nicht so weit weg und es ist auch krass, dass wir alle so reagieren: “Puh, Görlitz, uff!” Und eigentlich ist das auch nicht gut. Ich stürze mich da jetzt einfach mal rein!

Ganz andere Sache: Wie alt bist du eigentlich?
Ich bin 27.
Dann kennst du noch Myspace?
Auf jeden Fall, klar!
Dort konnte man ja einen Song auf seiner Seite laufen lassen. Welcher wäre das aktuell bei dir?
Gute Frage! Nagel mich nicht so drauf fest, aber Falco. Junge Römer. Ich höre Falco auch noch gar nicht so lange, aber das hat mich in diesem Jahr gecatcht. Ich fand seine Songs irgendwie echt cool. Und dafür, dass sie schon ein bisschen länger draußen sind, finde ich, sind sie auch soundlich sehr auf dem Stand der Dinge. Gute Songs!

Quelle: YouTube, FALCO

Drei schnelle Fragen zum Abschluss:

Wenn Corona durch ist, dann …?
Dann werden hoffentlich ganz viele, gut besuchte Konzerte gespielt. Mit vielen Leuten, die abdancen und sich gegenseitig hin und her schubsen. 

Star Wars oder Star Trek?
Star Wars.

Dein Highlight des heutigen Tages?
Dass ich Besuch habe, von Leuten, die mein Konzert sehen wollten. Das freut mich tierisch, da es ja erst mein zweites Konzert war. Tja, dass ihr hier wart und ich ein bisschen Musik machen konnte. Das ist mein Highlight – auf jeden Fall!

Das gebe ich so zurück und bedanke mich für den schönen Abend!
Also danke für das Bier, die Gastfreundschaft und deine Zeit – Frithjof, bis bald!

Text, Interview & Polaroid-Bild: René Biernath
Handy-Schnappschuss: Dominik Bullo

Instant Film: B&W, For Use With 600

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