Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

ARBEIT am Wochenende

Quelle: YouTube, Thorsten Nagelschmidt

ARBEIT, das aktuelle Buch von Thorsten Nagelschmidt. Die Lesetour fiel aus bekannten Gründen leider aus, schade, die Lesung hätte mir meinen Geburtstag doch versüßt. Nun aber, ein Instagram-Post sorgt für Freude! Denn es gibt neue Termine und einer von ihnen soll in der Nähe von Bremen stattfinden. In der BEGU in Lemwerder. Nur 60 Gäste sind möglich, intimer geht es kaum. Die Karten sind somit schneller gekauft, als Lucky Luke schießen kann. Klick, Klick. Päng, Päng!

Auf dem Weg nach Lemwerder

“Du bist übrigens nicht nur Navigator, sondern auch DJ.” Oha! Da alles, was kein iPhone ist, für mich technisches Neuland darstellt – gefährlich! Die Musik ist zum Glück schon angewählt und schallt aus den Lautsprechen. Muff Potter, natürlich. Wenn ich keinen Blödsinn mit dem Handy anstelle, sollten wir auch am Ziel ankommen. Noch 1h 14Min bis zur BEGU. Heute geschlossen, laut Navi. Nein, ich beharre darauf, wir fahren trotzdem. Also wird uns die Route angezeigt, der Pfeil weist geduldig den Weg. Durch das Nichts nähern wir uns unserem Ziel. Felder, Kühe, vereinzelte Höfe. Dorf um Dorf. Und oh mein Gott, wie kann es nur so warm sein?!

Wir passieren die Abfahrt nach Worpswede, den Weißen Schwan, noch 38 Minuten Fahrt. Bremen-Vegesack-Hafen. Auf dem Krümpel. Wo sind wir nur gelandet?
“Müssen wir Fähre fahren?”
“Keine Ahnung, hier ist so ein Fährensymbol. Ich dachte, das wäre da nur so.”
Und Tatsache: Wir müssen Fähre fahren! Und somit geht es rauf, rüber und wieder runter. Fähre fahren? Haken dran! Motzen in fünf Kilometern. Okay! Die Shell-Tankstelle passiert und schon heißt es: “Willkommen am Ziel! BEGU Lemwerder.” Danke Navi!

Rein oder raus

Es ist spannend. Wird es noch regnen? Bleibt es so warm? Der Himmel sorgt für düstere Aussichten, der Wein für lockere Stimmung. Eine Landpartie, wie sie im Buche steht. Die BEGU startet heute die Reihe Corona Kultur und die Veranstaltung ist für die Umstände gut besucht. Und sie beginnt draußen. Dort endet sie auch, aber zwischendurch gibt es eine Abkühlung von oben. Da nicht sicher ist, ob es sich einregnet und die Veranstaltung doch nach innen verlegt wird, wird das Gespräch zwischen Thorsten Nagelschmidt und Timo von den Berg etwas in die Länge gezogen.

Es gibt ein paar interessante Einblicke in Nagelschmidts Bezug zu Bremen, natürlich den üblichen Corona-Talk und mit einem Auszug daraus möchte ich hier beginnen. Zum Lachen bringt mich die Aussage, dass sich das Gefühl eingeschlichen hatte, dank Corona ein Buch ins Klo zu veröffentlichen! Da die Buchhandlungen zwar mit Auslieferungen und auch einem an der Tür-Verkauf weiter agieren konnten, sollte man erst gar nicht auf diesen Gedanken kommen. Doch jeder namhafte Verlag verlegte Neuveröffentlichungen in die Zukunft, denn bereits erschienene Bücher gingen gut weg, Neuerscheinungen wurden eher zum Ladenhüter. Es wird sich dennoch gegen das Angebot des Verlags entschieden, denn wer weiß schon, wie es in der Zukunft aussehen wird? Anscheinend die richtige Entscheidung, auch wenn der Verlag sagt: “Ohne Corona wäre noch geiler!”

Es wird also auch über Bremen gesprochen, sein erstes großes Livekonzert: Jennifer Rush, Mitte der 80er. Gleichzeitig Ischa Freimaak!, für den bekennenden Kirmes-Liebhaber eine prägende Erinnerung! Die Hardcore-Szene, Friesenstraße, Per Koro – das damalige Label. Mischen und Mastern, das Schreiben in der Auswurfrille von Schallplatten. Wer wusste denn schon, dass man dort auf (oder in?) der ersten Muff Potter-Schallplatte “Geht geile Falafel” lesen kann? Und somit wird auch etwas über die aktuelle Band-Situation gequatscht. In der Zwischenzeit fallen die Tropfen vom Himmel immer steter, doch das aufmerksame BEGU-Personal verteilt Regencapes. Danke dafür!

Endlich Arbeit

Der Sprung zum Roman, dessen Arbeitstitel High Life von unten lautete, wird dann doch gewagt. Nass sind die Ärmel, doch schlussendlich lauschen wir einem Auszug aus dem ersten Kapitel, mit einem meiner liebsten Protagonisten: Flix
Es ist doch immer wieder schön, sich vorlesen zu lassen. Es wird seltener, am eindrucksvollsten waren eben die Hörbücher von Rufus Beck. Doch es geht hier ja gar nicht um Harry Potter. Wo die wilden Maden graben, mit Farin Urlaub und Axel Prahl, klar, großes Kino. Der Abfall der Herzen, keine Frage! Soundtrack Sommer 2018.

Und nun im Garten der BEGU sitzend, die roten Haake-Beck-Schirme im Rücken, geht die Vorleserei nach einer kurzen Pause auch weiter. Das Kapitel mit zwei Sätzen wird gnadenlos durchgelesen. Der gut angezogene Mann mit dem iPhone lässt nicht locker. Aus der Reihe hinter uns ertönt ein “Schwere Kost” oder ähnliches. Stimmt. Der Roman ARBEIT plackert sich eben nicht nur am schnöden Schaffen ab. Die Hintergründe werden teils beleuchtet, es gibt diverse Einblicke und natürlich gibt es auch Tätigkeiten, die einem beim Begriff Arbeit zuerst gar nicht in den Sinn kommen. Es ist ein breites Bild geworden, was man unter diesem Begriff doch alles verarbeiten kann … Dieses Wortspiel war nicht beabsichtigt, bevor es hier zum Vorwurf des schlechten Humors kommt.

Das Durchhaltevermögen des Publikums und des Autors wird übrigens zwischendurch letzten Endes belohnt, die Sonne kommt doch noch raus. Aber, es ist wie so oft im Leben. Die schönen Dinge enden viel zu schnell. Ehe man sich versieht, gibt es eine schnelle Fragerunde, bevor die Lesung mit dem letzten Kapitel Fell & Matsch zu Ende geht. Die dritte Lesung vor Live-Publikum mit diesem Buch. Und wie Thorsten Nagelschmidt selber gesagt hat: Wer weiß, ob Lemwerder ohne Corona zum Ziel geworden wäre?

Abspann

Danke an die BEGU für diese kleine Rückkehr ins kulturelle Leben, ein Dankeschön an die Bar und natürlich vielen Dank an den Autor!
Und wer sich fragt, wer nochmal Jennifer Rush war (“eine echte Rockröhre”, ich zitiere hier), auch wir mussten erst einmal reinhören und hatten unseren Ah!-Moment!

Quelle: YouTube, JRM Nation

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