Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

umBAUbar

 

Der Zug macht dampfend Halt: Oldenburg in Oldenburg. Immer wieder witzig, die verblüfften Gesichter der Zugfahrenden bei der Ansage zu sehen – aber die beschauliche Stadt heißt nun einmal tatsächlich so. Einmal über den Bahnhofsvorplatz, an dem Dönerladen an der Ecke vorbei und in Richtung Stadt liegt die kleine, aber feine umBAUbar, unauffällig versteckt zwischen gestrichenen Häuserfassaden und gegenüber des Kanals. Bunte Plakate und wartende Menschen locken an.

Willkommen in der umbaubar

Die Tür wird aufgezogen und ein Schwall kalte Abendluft begleitet den neugierigen Besucher hinein. Freundlich lächelnde Mitarbeiter nehmen die Jacke in Empfang, regeln den Einlass und drücken einen Stempel auf die Hand. Im Hauptraum die einladende, bunt verzierte Bar, hinten die Toiletten – mein Favorit ist die Kabine, auf der zwei zeitgleich pinkeln können. Die Türen sind mit zahlreichen Stickern geschmückt. An dem Tischkicker vorbei steht die kleine Bühne, die hin und wieder durch Bands, DJ’s und andere Kunstschaffende in kleinem Rahmen geschmückt wird. Vor allem die lokalen Künstler*innen werden hier mit viel Herzblut gefördert.

Ob ausverkauft oder nur wenige Besucher, die strahlenden Lichter an der Decke laden ebenso zum Tanzen ein wie der gute Sound. Hier habe ich schon Blond, Die Rauschen, Kind Kaputt, Catapults, Hi! Spencer, Some Sprouts und Raum27 in persönlicher Atmosphäre sehen dürfen. Auch von weit entfernten Abenden trage ich immer noch Erinnerungen mit mir herum, die stets begleitet sind von dem freundlichen Licht und dem warmen Lächeln aller Anwesenden.


Da wäre zum Beispiel das Blond Konzert am 20. September 2018 und somit auch mein erster Besuch in der umBAUbar. Das erste Konzert, auf dem ich ganz alleine unterwegs war und trotzdem nicht einsam – denn in der kleinen Location treffen immer wieder Studenten und Konzertgänger aufeinander, die schnell zueinander finden und wenige Songs später zusammen tanzen können. Alter, Geschlecht und sonstige Merkmale spielen keine Rolle mehr.

Meiner Meinung nach bietet die umBAUbar einen der wenigen Orte, an denen es leicht ist, alles um sich herum zu vergessen. Sich zu verlieren in der Musik und in Gesprächen. Die Augen zu schließen und Sorgen wegzusperren. Und wenn der letzte Ton verklungen ist, legt sich erst wieder der Schalter im Kopf herum, der den Alltag ferngehalten hat. Das einzige, was ich jetzt noch von dem Blond Konzert in Erinnerung habe, ist Lotta Kummer, die schrecklich schief auf ihrer Blockflöte Songs zum Besten gibt, während die Location glückselig erfüllt ist mit Gelächter und in die Höhe gestreckten Armen.

Nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt ist auch der lange Besuch kein Problem – vor allem nicht, wenn mal wieder das Kneipenquiz stattfindet. Auch Klamottentauschpartys durchmischen regelmäßig den Laden. Ausgestattet mit mehreren bequemen Sofas und der Holzverkleidung kommt die umBAUbar auch gar nicht darum herum, gemütlich und großherzig zu wirken.

Nicht zu vergessen ist auch das zweite Geschoss, dass über eine verschnörkelte Treppe erreicht werden kann. Auch hier versorgen dauerlächelnde Mitarbeiter den durstigen Besucher mit einer Mehrzahl an Getränken, die in gepolsterten Sesseln und auf kleinen Sofas genossen werden können. Ebenso finden hier gelegentlich kostenlose Wohnzimmerkonzerte statt und ich erinnere mich nur zu gut an das von She Danced Slowly, bei dem die Sessel durch eine kleine, aber feine Wall Of Death ausgetauscht wurden. Auch eignete sich der kleine Raum perfekt für eine kleine Session von „Wonderwall“ – mit She Danced Slowly als Post-Punk-Cover, versteht sich von selbst.

Die Abende in der umBAUbar sind jedes Mal aufs Neue gefüllt mit lautem Gelächter und grinsenden Gesichtern, die sich immer wieder an die Theke verirren. Ein Ort, den ich mir nicht aus Oldenburg wegdenken kann und der mich noch nie durch fehlende Gastfreundlichkeit oder schlechte Musik im Stich gelassen hat.

Aber …

zur Zeit kommt aus den Boxen keine Musik, die Plakate sind nicht mehr aktuell und über den Fenstern hängt ein Banner mit der Aufschrift #staythefuckhome – auch hier hat Corona dazu geführt, den Clubbetrieb erst einmal stilllegen zu müssen.

In einem Interview mit der NWZ erzählt Betriebsleiter Linus Eichler, wie die globale Krise die Bar trifft und stellt unter anderem fest:

Viel länger als 4, 5, 6 Wochen wird das kein Club aushalten.

Damit auch nach der Corona-Krise die umBAUbar immer wieder gefüllt werden kann mit Künstler*innen, warmer Luft und euphorischen Besuchern, kann diese über www.paypal.de/umbaubar oder hier unterstützt werden. Denn ob der Club so weiter bestehen kann, ist unklar – schließlich muss auch hier muss Miete bezahlt werden und Rechnungen stehen bei ausbleibenden Einnahmen offen.

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