Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Shelter Boy: Rock ‘n’ Lel

Das zweite Mal aufgewacht mit Pocahontas. Es ist Samstag und ich wälze mich noch etwas in meinem Kissen. Blick aufs Smartphone. Nachmittag. Heute Abend geht es noch nach Hamburg, Shelter Boy spielt. Und ich versuche kurzfristig ein Interview zu verlosen. Nicht sonderlich erfolgreich. Doch auf einmal, wie aus dem Nichts, packt mich die Inspiration und mir fliegen die Fragen nur so zu. Die ersten zwei in diesem Interview werden mir tatsächlich per Instagram zugesandt, danke Vanessa!

Plötzlich bin ich mit zehn Fragen bewaffnet und ja, dieses Interview wird stattfinden. Kamera besorgt, Bahn genommen, Altona raus, Fußmarsch zur Hebebühne.
Simon reicht mir ein kaltes Bier, steckt sich eine Zigarette an und ich stelle die erste Frage:

shelterboyjamesdean

“Wie James Dean. Richtig englisch.” – Dr. Naibaf

Wenn du die Aufmerksamkeit der ganzen Welt hättest, aber nichts sagen, sondern nur einen Song spielen dürftest.
Welcher wäre es?
Alright. A Day In The Life von den Beatles. Ist mein absoluter Lieblingssong.

Im Interview mit Diffus hast du gesagt:
“Ich weiß alles über die Beatles, ich glaube mehr als über mich.”
Gibt es irgendwelche überraschenden Gemeinsamkeiten zwischen euch?
Gemeinsamkeiten (schmunzelt)? Wenn es Gemeinsamkeiten gibt, dann hab ich die wahrscheinlich adaptiert und deswegen sind es jetzt Gemeinsamkeiten. Nein, ich glaube, ich bin ähnlich bürgerlich aufgewachsen vielleicht. Und ich glaube bei irgendeinem war das auf jeden Fall so, dass niemand aus der Familie irgendwie Musik macht und das ist bei mir auch so. Ich bin der einzige. Da gibt es niemanden, der da irgendwie Zugang hat.

Jetzt interessiert mich das doch!
Warum A Day In The Life?

Na, das ist der allerbeste Song, der je geschrieben wurde. Der deckt jede emotionale Stimmung ab, ein wahnsinniger Text! Also grad das mit den Streichern, die dort komplett ausrasten. Seit ich elf oder zwölf Jahre alt bin … ich kann mir den immer anhören und werde das immer zu 100 Prozent fühlen. Ich höre ihn auch nicht so oft, weil er so krass traurig ist.

Gleich im Anschluss – dein Lieblings-Beatle?
John Lennon. Legend!

Interviews mit dir, Berichte über dich.
Liest du dir sowas eigentlich durch?
Ich lese mir Reviews durch, wenn jemand über die Platte schreibt. Ich gucke mir gar keine Video-Interviews an. Nur mal kurz, wenn ich merk, dass ich irgendwas dummes gemacht habe, dann skippe ich zu der Stelle vor, guck wie dumm das ist, aber das war es dann auch.

Da gibt es aber diesen alternativen Fakt, dass du in der britischen Band Still Trees spielst.
Das ist nie eine britische Band gewesen.
Ich weiß.
Also ich habe das nur einmal gelesen und das wurde sogar schon Copy + Paste abgeschrieben. Ich habe jetzt leider schon gehört, dass die Band einen Abgang macht. Zeit für ein Statement?
Ja, ich weiß nicht. Ich bin damit ja komplett groß geworden. Es war auch alles immer wunderschön, aber da hat einfach jeder jetzt seinen eigenen Weg für sich gefunden. Manche arbeiten halt, da ist nichts im bösen oder irgendwas, das war jetzt einfach der natürliche Lauf.

Kommen wir mal zu deiner EP, Pale Ocean Child ist mein definitiver Liebling! Auf welches Lied bist du denn besonders stolz?
Let ’em Go ist der, den ich selber am besten finde. Bei nichts von dem was ich mache, weiß ich so richtig, wie ich es mache. Also ich kann so ein kleines bisschen Theorie, aber ich weiß nicht genau was passiert. Ich bin einfach froh, dass so ein grooviger hip hoppiger Track irgendwie dabei rausgekommen ist. Da bin ich richtig stolz.

Quelle: YouTube, 777tv

Der Titel der eben angesprochenen EP, Rock ‘n’ Roll Saved My Childhood (lel). Lel, ich meine, muss das jetzt alles ironisch sein?
Na ja, genau darum ging es ja – das irgendwie ein bisschen aufzugreifen. Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber ich sehe das ganz oft, gerade wenn es um Depressionen oder sowas geht, dann wird das ganz schnell mit Memes, “Haa, ich hab Depressionen, haa”, versehen.
“Ist nicht so schlimm!”
Ja, obwohl es denen offensichtlich nicht gut geht. Und das ist so ein generelles Ding, das ich sehe, dass man alles eben ironisiert. Also das ist genau der Punkt, weswegen ich gedacht hab, na ja, dann ist es doch eben mega witzig mit seinem EP-Titel, der was ernsthaftes sein sollte, genau das zu machen.
Zeigst also ein bisschen mit dem Finger drauf.
Yes!

Gibst du dem Rock ‘n’ Roll mit deiner EP was zurück?
Ey, das wäre schön, wenn es so wäre. Ich hoffe, dass es irgendeinen Rock ‘n’ Roll-Drive in irgendwelchen Menschen auslöst – keine Ahnung.

Was ist denn Rock ‘n’ Roll für dich?
Drauf zu scheißen.
Also mehr ein Spirit.
Ja, viel mehr als irgendeine Verherrlichung von irgendwas. Das ist es für mich überhaupt nicht. Aber manchmal einfach einen Fick drauf zu geben.
Das, finde ich, ist Rock ‘n’ Roll!
Enjoy yourself – einfach Spaß zu haben. Und vielleicht auch mal damit klar zu kommen, dass du dich von Nudeln und Pesto drei Wochen ernährst. So! Mach was du willst! Das ist Rock ‘n’ Roll!

Auch du kommst nicht drum herum:
Star Wars oder Star Trek?
Beides nicht so krass, aber Star Wars habe ich mit meinem Mitbewohner komplett durchgeschaut. Weil ich das noch nie gesehen hatte. Und dann hatten wir das in einem Marathon durchgeguckt und dann fand ich das schon geil. Aber ich rede mal im Namen von Carl, mein Keyboarder, der ist absoluter Star Trek-Nerd. Der ist Trekkie!

Auf dem aktuellen Cover des Rolling Stone kannst du Elton John und Lana Del Rey zusammen sehen. Angenommen Shelter Boy, du gehst jetzt durch die Decke, Grammy, Arena-Tournee!
Mit wem würdest du dir das Cover teilen wollen?
Liam Gallagher (lacht)!
Ja man, Rock ‘n’ Roll! Fuck it ey! Das wäre echt fett!
Godlike. Biblical (lacht wieder). Der hält mich auch manchmal ganz schön am Leben so. Gibt ja viele, die das immer leugnen. Aber ich hab wirklich viele Helden. Und wenn ich mir Liam Gallagher reinziehe so, dann geht es mir oft besser, weil der das halt einfach durchzieht.

Was für ein unerwartet schönes Interview. Beatles, Oasis, Rock ‘n’ Roll, da hat es doch mal wieder geklickt! Und das Konzert trifft genauso meinen Nerv. Die Hebebühne liefert glasklaren Sound, die Band ist gut drauf und während des Konzertes fällt mir etwas auf:
Der Suff in meinem Maul schmeckt wieder wie mit 17.
Danke dafür, bis zum nächsten Mal!

rocknlel

Aber manchmal einfach einen Fick drauf zu geben.
Das, finde ich, ist Rock ‘n’ Roll!

Text, Interview & Polaroid-Bilder: René Biernath
Instant Film: Colour, For Use With 600

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