Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

RIKAS

RIKAS. Die Band der Stunde aus Stuttgart. Aufgefallen sind sie uns auf dem Reeperbahn-Festival 2016, als sie vor Susis Showbar ein feines Set aus beliebten Beatles-Songs, eigenen Stücken und Pretty Woman darboten. Nach einer weiteren Show im Vorprogramm von Chain Wallet haben wir die Band endgültig ins Herz geschlossen und am 16. August traf ich sie verkatert zum Gespräch in einer WG in Hamburg …

RIKAS, für viele seid ihr noch gar kein Begriff, würde ich erstmal sagen. Wer seid ihr und wie habt ihr euch als Band gefunden?
Sascha: Für wen sind wir noch kein Begriff (allgemeines Gelächter)?
Ferdi: Wer kennt uns noch nicht?


Chris: Sam, Ferdi und ich kennen uns schon seit …, also wir machen schon zusammen Musik, seit wir, glaube ich, 13 sind oder so. Also, kommen alle aus dem gleichen Ort und sind schon recht früh in einer Klasse gewesen, Sam und ich. Und haben dann angefangen, uns zu treffen und zusammen Musik zu machen. Die zwei sind nachgekommen und haben sich da auch schon aus dem Kindergarten, glaube ich, gekannt. Und dann haben wir relativ früh angefangen, zusammen Musik zu machen. Da war noch ein anderer dabei, der jetzt inzwischen …, wann war das? Keine Ahnung, der ist nach dem Abi nach Kanada oder so und war dann nicht mehr dabei. Dann kam der Sascha dazu und der Felix, wir waren mal ursprünglich zu fünft noch, hatten da auch noch einen anderen Namen. Das war dann bisschen mehr so Schülerband-mäßig und haben Musik gemacht. Und jetzt, in der Besetzung, unter dem Namen, seit Ende 2015. Da haben wir quasi im Verschlossenen sozusagen, ein bisschen Songs geschrieben und so und geprobt. Aber veröffentlicht, sozusagen dann, mit dem Projekt, erst Anfang 2016. Ja und wir kennen uns alle aus der Schule und aus dem gleichen Ort.
Sascha: Aus der Kirche, haben wir festgestellt.
Chris: Fußball.
Sascha: Wie das halt im Dorf so ist, lernt man sich halt schnell über ganz viele Ecken kennen.
Ferdi: Aber, ich glaube, so der Punkt, der uns auf jeden Fall alle verbunden hat, war Fußball. Haben wir alle zusammen gekickt mal, glaube ich.
Sascha (imitiert einen Fanchor): FC Bayern!

RIKAS live im Dschungel, Quelle: YouTube, RIKAS

Okay, um Sascha Recht zu geben, so unbekannt seid ihr dann ja doch nicht. Ich sag mal, ihr habt überall gezockt. Oder mit einigen Bands dann gezockt: Support für die Sportfreunde Stiller, AnnenMayKantereit. Da meinte meine Schwester zu mir, dass ihr mit denen auch gejammt habt? Das hatte sie wohl irgendwie auf Instagram in der Story gesehen?
Chris: Aah, so kam das eigentlich erst zustande. So kam der Kontakt mit denen überhaupt erst zustande. Wir haben in Köln gespielt, mit Findlay. Ist ‘ne Band aus England, oder?
(Allgemeine Zustimmung macht sich breit) Findlay war ‘ne Zeit lang Support von AnnenMayKantereit. Also die haben sich gekannt. Und als dann Findlay mit uns in Köln gespielt hat war Henning, also der Sänger von AnnenMayKantereit, beim Soundcheck von denen. Also an der Location. Und hat dann eben uns auch kennengelernt, dann haben wir ein bisschen mit dem geredet und so, ein bisschen gekickt und das war ganz cool. Also das Jammen war jetzt unspektakulär. Da waren wir halt backstage, stand ein Klavier und haben ein bisschen rumgeklimpert. Aber …
Sascha: Eigentlich haben wir die neue Platte von AnnenMayKantereit zusammen geschrieben (alle lachen und der Spaß beginnt).
Chris: Genau, die haben wir zusammen geschrieben.
Sascha: An dem Nachmittag.
Chris:
Und wenn die bald rauskommt, dann ist das auch unser Werk. Nee, das war ganz entspannt und so, aber irgendwie kam der Kontakt zustande und einen Monat später oder so, kam dann die Anfrage, ob wir die supporten möchten. Das hat uns dann natürlich gefreut.


Ihr seid echt viel unterwegs. Das ist ja kein Geheimnis. Und ihr tourt euch ja auch den Arsch runter, was ich ziemlich geil finde. Macht ihr da noch irgendwas nebenbei oder seid ihr jetzt Vollblutmusiker?
Sam: Also es ist so, dass wir momentan noch alle irgendwie Jobs haben oder studieren. Aber jetzt, Ende des Monats machen wir mal so einen kleinen Cut. Und da machen wir dann wirklich mal nur Musik. Mal gucken, wie es läuft. Haben noch nicht so einen richtigen Plan, aber wir leben gerne in den Tag hinein, schauen was passiert.

Ihr habt ja eure EP, die selbst produziert ist, oder? Ihr fahrt jetzt ja wieder nach Berlin, um weiterzumachen. Geht es jetzt um ein Album, noch eine EP, oder …? Habt ihr da irgendwelche konkreten Pläne?
Sam: Also das wird jetzt so die erste offizielle EP. Wir sind ja zum Beispiel noch nicht auf spotify oder iTunes, sondern haben alles bis jetzt selber gemacht. Und haben jetzt eben mit der EP Songs aufgenommen, ziemlich viele sogar, neun Stück, aber haben dann nochmal einen Cut gemacht. Jetzt haben wir die ersten ausgewählt, die wir auch auf die EP machen wollen und auch mit einem Produzenten gearbeitet, was wir davor noch nicht gemacht haben. So einen ganz eigenen Sound. Das war cool, mal in so einem großen Studio aufzunehmen. Wir haben eigentlich ganz viele auch im Proberaum dann letztendlich gemacht.

Sascha: Das wird dann so eine Symbiose aus Proberaum-Flair, Live, Schlafzimmer-Recording, sowie wir diese Bedroom Tapes gemacht haben.
Ferdi: Arena-Hymnen (ein Schmunzeln geht durch den Raum).
Sascha: Und Arena-Hymnen. Studio-Profi-Sound soll es werden. Ein Sound, der wir sind.

Wann wollt ihr das Ding raussteuern?
Sam: Also wir machen es jetzt Ende Juli fertig, dann wollen wir mal so den Zeitplan aufstellen. Eventuell noch dieses Jahr. Also dieses Jahr kommen auf jeden Fall ein, zwei Songs davon raus, eventuell kommt aber die EP erst Anfang nächsten Jahres. Vielleicht aber auch dieses Jahr. Man weiß es noch nicht, deswegen …
Sascha: Kein Kommentar (alle lachen)!
Ferdi: Das ist auf jeden Fall noch abhängig von ein paar Faktoren. Einfach, die wir jetzt noch nicht wissen. Da müssen wir halt mal schauen. Aber dieses Jahr werden auf jeden Fall ein, zwei Songs kommen und die werden dann auch auf spotify sein.

Könnt ihr euch auf Star Wars oder Star Trek einigen?
Chris: Da bin ich ganz raus, muss ich sagen.
Ferdi: Uuh.
Chris: Weder noch.
Sascha: Star Wars.
Chris: Weltraum ist schon mal gut, wir sind alle sehr Weltraum.
Ferdi: Ich muss sagen, ich bin ein großer Star Wars-Fan.
Chris: Ne, weißt du, was wir sagen? Sorry, dass ich unterbreche. Traumschiff Surprise.
Ferdi: Traumschiff Surprise man (wieder wird gelacht)!
Chris: Das ist die Schnittstelle.
Sascha: Ihr zwei sagt das!
Ferdi: Wir zwei sagen das, weil ich glaub’, es gibt keinen Film, den ich öfter in meinem Leben gesehen habe, als Traumschiff Surprise (es geht ein neues Lachen durch die WG-Küche).

Was (auch ich muss wieder lachen)?
Ferdi:
Ich kenne den kompletten Film einfach in- und auswendig. Und ich hab die Star Wars-Filme alle geguckt, um auf deine Frage zurückzukommen, ich bin großer Star Wars-Fan. Vor allem auch von der Filmmusik so. Da stehe ich sehr drauf. Star Trek habe ich die alten Filme gar nicht gesehen, sondern nur die Neuverfilmungen jetzt. Und die fand ich aber auch gar nicht so schlecht. Also die waren auch ganz cool. War halt was anderes.


Sascha: Aber man muss in den alten Kosmos einkehren, um wirklich da urteilen zu können. Wir sind lieber selber lit im Weltraum (alle beginnen zu lachen), anstatt anderen dabei zuzusehen.
Chris: Genau, das war die richtige Antwort. RIKAS, lit im Weltraum. Teil 13.
Ferdi: Obwohl ich sagen muss, dass ich Yoda ziemlich feiere. Der kleine grüne Giftzwerg. Ist ein geiler Typ.

Yoda ist der Wahnsinn!


Ferdi:
Der hat zum Beispiel ein so ‘nen Satz gebracht. Der geht: “Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen.” So. Das ist so ein guter Grundsatz für die Band irgendwie (ein anerkennendes Pfeifen ertönt aus der Runde).


Also treibt euch Star Wars an. Oder Yoda sogar.
Chris:
Yoda.

Sascha: Ja, the force an sich (wie so oft heute wird gelacht).

Wir kennen uns ja vom Reeperbahn-Festival damals (2016). Da habt ihr ja am Beatles-Platz bei Susis Showbar gespielt. Ich weiß noch, Sascha, du schreist die Leute auch richtig an beim Singen. So “Pretty Woman”, das war halt für einige Leute, glaube ich, richtig verstörend (alle lachen). Auf der anderen Seite sind wir zum Beispiel stehen geblieben. Total geil. Ihr seit ja auch eine Straßenmusiker-Band. Oder gewesen, oder spielt gerne auf der Straße (Zustimmung ertönt aus der Runde).
Was ist da euer geilstes Erlebnis gewesen?
Sascha: Ach, wir haben da viele. Also wir haben vor zwei oder drei Jahren mal wieder Straßenmusik-Tourneen gemacht durch Europa, bevor RIKAS. Das ist quasi der Grundpunkt von RIKAS. Nachdem dieses Schülerband-Ding vorbei war, haben wir uns viel auf Straßenmusik konzentriert. Und haben dann immer den Sommer genutzt, um halt zu reisen und gleichzeitig Straßenmusik zu machen und dadurch uns die Reise zu finanzieren und halt Musik zu machen. Da sind wir mit einem Interrail-Ticket durch ganz Europa gefahren und haben Straßenmusik gemacht. Da war einiges dabei. Ich hab jetzt die allgemeine Grundlage geschaffen, mir fällt jetzt grade keine …
Chris: Man hat einfach unglaublich viele verschiedene Leute kennengelernt. Ich glaube, es gibt jetzt kein Erlebnis, was so das eine Erlebnis war, generell. Diese Wochen, die wir da unterwegs waren, waren immer sehr ereignisreich. Weil wir in den meisten Städten keinen Schlafplatz hatten, bevor wir in die Stadt gekommen sind und dann hatten wir immer ein Schild wo draufstand: RIKAS, so und so. Ne, da hießen wir noch gar nicht RIKAS.
Ferdi: Ne, ne, stimmt.
Chris:
Da stand dann einfach drauf, wir suchen noch ‘nen Schlafplatz für heute Nacht. So (schmunzelt). Und dann kamen wirklich echt in jeder Stadt mindestens zwei oder drei Leute auf uns dann zu, die uns angeboten haben, dass wir bei ihnen pennen können und das war echt cool so.
Ferdi: Nicht in jeder, aber fast in jeder.


Sam: Vielleicht der Moment in Brüssel. Nach London, wo wir die Fähre genommen haben. War vielleicht das geilste. Wir waren halt in Brüssel oft, als wir da Interrail gemacht haben und dann haben wir da ziemlich viel Geld verdient jeden Tag. Und konnten uns damit eine Fähre leisten nach London. Von Holland, ja. Die haben wir dann mit Münzgeld gezahlt.

Was?!
Sam:
Das waren irgendwie ein paar hundert Euro. Mit ein und zwei Euro-Münzen.
Chris: Saßen wir dann dort an diesem Hafen und haben dann dieser Frau am Schalter so ein, war wirklich ein Tablett. Weil wir hatten irgendwoher ein Tablett mitgebracht.
Sascha: McDonalds-Tablett.
Chris: … Tablett voll mit so Stapeln an ein und zwei Euro-Stücken und so. Und die hat uns ganz dumm angeschaut, die Fähre ist in einer halben Stunde, glaube ich, gefahren, hat das dann mit einem Kollegen schnell gezählt. Wir haben gewartet, dann ging das klar, dann durften wir auf die Fähre. Und haben dann da seit einer Woche das erste Mal eine richtige Dusche wieder genossen. In so einer kleinen Kajüte, das war dann ein Traum.
Ferdi: Das war schon ein sehr krasses Gefühl. Nach einer Woche, wirklich, auf jedem Boden und auf jedem kleinen Feldbett, wo wir geschlafen haben, haben wir dann einmal uns den Luxus gönnen können, in so einem richtig geilen Bett zu schlafen und in einer richtig geilen Dusche zu duschen. Und das war sehr viel wert.


Sascha: Der Moment an sich, mit dem Tablett, das war, glaube ich, Coca-Cola oder so was. Und darauf so sein eigenes, erstes Kapital (es wird wieder herzlich gelacht): Wir leben jetzt den amerikanischen Traum. So ein bisschen (noch mehr Gelächter). Jetzt werden wir reich und erfolgreich. Das war so das Zeichen da hin. So die Symbolik, die uns sehr geprägt hat.
Ferdi: Um noch mal auf deine Frage zurückzukommen, ich glaube schon, das so Brüssel, war auf jeden Fall eine der Städte, die für uns alle ziemlich am coolsten war. Und interessantesten. Die haben alle zwei Jahre so ‘n Flower-carpet. Da ist der komplette Hauptplatz der Stadt Brüssel mit ‘nem Blumenbeet ausgestattet und da kommen dann ganz viele Leute hin, um sich das anzuschauen. Und das war so krass, als wir da ankamen in Brüssel, sind wir erstmal nicht am Hauptbahnhof gelandet, sondern an irgendeinem anderen Bahnhof. Das war einfach Nationalfeiertag in Brüssel und jeder einzelne Laden hatte zu. Und wir haben so gedacht: “Fuck ey! Kein Schwein ist jetzt in der Stadt.” Dann haben wir halt gemerkt, dass wir nicht am Hauptbahnhof sind und dann sind wir zum Hauptbahnhof gefahren. Und sind da raus und dann waren da aber so viele Leute, dass du nicht mal mehr laufen konntest mit dem ganzen Zeug und dann haben wir uns einen Spot gesucht, haben uns da hingestellt und dann war eine Riesentraube um uns. Ich glaube, in keiner Stadt wurden wir so gefeiert wie in Brüssel.

Chris: Das war dann optimal. Weil die Läden hatten zu. Also man konnte sich vor die Läden stellen sozusagen, ohne dass man die blockiert hat und es waren aber auch extrem viele Leute da, die halt zugehört haben. Das war dann zufällig genau die zwei Tage, in den zwei Jahren, wo wir dann in Brüssel waren, ungeplant. Wo dann dieser Blumenteppich da war und echt aus allen Nationen waren dann da Leute und das war echt cool.
Ferdi: Da hatten wir so Schiss am Anfang. Alter, wir waren so down, als wir da hinkamen. Weil nichts los war, das war so krass. Und dann stehen wir da mitten in der Stadt und auf einmal …
Sascha: Ganz viele Leute.

Flower carpet, Mann!
Sascha:
Das ist der Weg zum Glück!
Was?
Sascha: Blumen machen alles besser.

Mal abseits, kennt ihr Jammin’Johnny & The Diskofuckers?
Chris:
Ja, vom Straßenmusikfestival.

Sascha: Ja, die haben wir gefeiert. Stabile Boys.


Habt ihr so einen Traum als Band?
Chris:
Ich hab jetzt für mich neulich mal wieder festgestellt, dass es irgendwie so ganz viel von dem, was ich mit der Band oder mit einer Band erreichen wollte, als ich irgendwie 12 oder 13 war, habe ich inzwischen. Oder haben wir inzwischen schon geschafft. Und das realisiert man oft erst, wenn man so zurück schaut. Also ich hätte mir nie erträumen lassen, irgendwie mal auf einem richtigen Festival zu spielen oder mit irgendeiner coolen Band mal zwei, drei Shows zu spielen. Das sind alles Sachen, die mir jetzt, wenn sie passieren, weil alles in so kleinen Schritten passiert, nicht so besonders vorkommen. Erstmal! Aber wenn man dann zurückschaut, eigentlich schon ganz viel von dem ist, was ich eigentlich mal, sozusagen, schaffen wollte. Und so ist es, glaube ich, auch weiterhin. Es gibt jetzt kein Ultimatum, wo man sagt, wenn wir das gemacht haben, so, das ist unser Ziel, dann haben wir es geschafft. Wir nehmen irgendwie alles mit und spielen viel und da sind manchmal beschissene Gigs dabei. Und oft sind es geile Gigs und man arbeitet sich so langsam vor. Und fährt damit auch, glaube ich, besser, als wenn man sich so ein Ziel setzt und das dann unter Umständen nicht erreicht. Als wenn man einfach irgendwie das auf sich zukommen lässt und dann sich da so Stück für Stück hocharbeitet. Der Weg ist das Ziel, so ein bisschen.
Sam: Deswegen hören wir ja auch nach dem Sommer auf (ein dreckiges Lachen der Band bahnt sich den Weg durch die Küche).
Chris: Darfst ja noch nicht verraten.
Sam: Ah, Scheiße! Also, Südamerika. Rock in Rio (ein zustimmendes Gemurmel kommt auf).
Ferdi: Doch, ich glaube, wir wollen alle mal nach Südamerika. Das wär schon mal cool. Aber ich glaube, es gibt so ein allgemeines Ziel oder so. Das sind eher so die Gründe, warum wir überhaupt Musik machen. Uns geht es halt darum, Leute zu verbinden.
Sascha: So wie jeder junge Mensch wollen wir mit dem, was wir machen, die Welt verbessern.
Ferdi: Ja. Genau. Gerade dieses Leute verbinden …
Sam: Peace-Pop (wieder wird gelacht).
Ferdi:
Einmal so Dinge wie Nationalität oder Glauben oder so ein Scheiß. Das ist einfach völlig egal, es geht einfach nur um die Musik und dabei Spaß zu haben. Das ist eigentlich so das Ziel, was wir so …
Chris: Inklusion.
Ferdi: Ja, also was sich glaube ich nie ändern wird. Weil so Sachen wie jetzt: “Okay, wir haben mal Bock den und den zu supporten”, oder sowas. Das sind so kleine Etappenziele. Die packst du halt oder die
packst du nicht. So, das kommt auf deine Leistung einfach an, das ist sowas, was sich halt durch deine Laufbahn zieht.
Sascha: Wir besteigen quasi einen Berg und wir haben gelernt, jetzt durch Chris, man sollte hin und wieder Rast machen, mal ins Tal schauen, was man gemacht hat. Man sollte aber auch natürlich …, also das Endziel ist der Gipfel!
Chris: Aber gibt es einen Gipfel? Oder ist das ein unendlicher Berg in den Weltraum hoch und irgendwann bist du im Weltraum. Und bist dann im Weltraum und denkst: “Geil, jetzt bin ich im Weltraum”, aber es geht immer noch höher. Und irgendwann kommt aber vielleicht eine Lawine …
Hier klinkt sich Sascha ein: Ich glaube, man setzt sich vielleicht sogar seinen eigenen Gipfel. In dem man sich den erbaut. Vielleicht baut man auch.
Sam: Dschungelcamp ist so ein Gipfel (alle lachen).

RIKAS erklimmen den Gipfel auf dem Daughterville: Sascha, Sam, Ferdi und Chris

Ihr wart ja letztes Jahr schon mal hier. Auf dem Daughterville.
Chris:
Hier, guck mal. Ich hab sogar das Bändchen noch.
Oh was?!
Chris:
Das Daughterville macht immer die schönsten Bändchen. Das ist das einzige, was ich dran gelassen hab.
Ferdi:
Das stimmt, ja. Das Daughterville macht sehr schöne Bändchen.
Chris: Kleiner Fun-Fact!
Sam: Das war’s dann aber auch schon (ein böses Lachen kommt auf). Spaß!

Was wollt ihr über euren Auftritt gestern sagen? Oder den Tag, den ihr da verlebt habt?


Sam: Fand es sehr gut. Ich meine, wir hatten eine wunderschöne Zeit. Wir sind zwar erst um halb 5, beziehungsweise um 5 Uhr morgens losgefahren nach Hamburg, ist ja doch ein kleines Stück. Und, es war schade, wir wollten eigentlich auf die Schlagerparade … (wir beginnen zu flachsen)
Ach, ihr wolltet zum Schlagermove?
Sam:
Ne, wir haben uns eigentlich schon das ganze Jahr auf das Daughterville gefreut. Weil es war letztes Jahr schon ziemlich cool auf dem Festival zu spielen, als Secret Act, ganz akustisch. Und die Leute sind damals schon voll mitgegangen.
Chris: Das war nicht ganz leicht, weil neben uns hat Giant Rooks Soundcheck gemacht und die waren natürlich ein bisschen lauter als wir akustisch.
Sam: Aber die Leute haben dagegengehalten.
Chris: Genau, die Leute haben dagegengehalten.
Ferdi: Da war der komplette Platz voll man. Ich glaub, die Hälfte davon hat uns nicht mal richtig gehört. Aber die haben es einfach alle gefeiert.
Sam: Das war ziemlich geil.
Sascha: Und das ist das Ziel. Dass uns keiner hört, aber trotzdem feiert (alle lachen).
Chris: Keiner hört uns, aber feiert uns.
Sam: Ne und dann war es gestern einfach cool. Der ganze Tag war wie so ein kleines Geschenk. Den ganzen Tag genossen und hatten einen coolen Auftritt. Sehr junges Publikum. Also, sehr, sehr junges Publikum.

Sehr jung, ja. Ich hab mich echt alt gefühlt.
Sam:
Ja, das hab ich auch gedacht, als ich dich im Publikum gesehen habe (und wieder dröhnt ein lautes Lachen durch die Runde, es ist defintiv ein schöner Vormittag). Nein, aber das war extrem cool. Und dann noch ein paar andere Künstler angeschaut. Schön war auch das Bandbattle.

Habt ihr das eigentlich am Ende verloren?
Chris:
Nein, es war unentschieden. Aber wir haben gesagt, der letzte Punkt ist alles oder nichts und dann haben halt Trashkat den Punkt gemacht. Eigentlich stand es 3:3, aber nach unserer Fairness hatten die dann gewonnen.
Sascha: Wir hätten eh eher die Tanzmoves bewerten lassen, anstatt das Stehenbleiben.
Chris: Es wird eine Revanche geben.

Sascha und Chris schwingen beim Bandbattle fleißig das Tanzbein!

Also tanzen konntet ihr ja.
RIKAS:
Danke, danke.
Ferdi: Ja, Sascha, wir haben schön zusammen getanzt, das haben wir lang nicht gemacht.
Sascha: Sammy hat langjährige Erfahrungen als Breaker (wieder wird gelacht).
Sam:
Ja, ich hab halt letztens einen kleinen Unfall gehabt.
Sascha: Seitdem sitzt er im Stuhl (das Lachen kehrt zurück).
Sam:
Da war ich im Spin und dann …
Chris: Ne, aber Daughterville ist echt schön. Ich hab es auch gestern nochmal zu Mario (der Tontechniker von RIKAS, Anm. des Verfassers) gesagt, das ist ein Festival, das ja eigentlich hauptsächlich von Jugendlichen organisiert ist und die da extrem viel Zeit und Liebe irgendwie reinstecken. Es gibt bei uns, oder generell ja oft auch so Festivals, also Festivals ist vielleicht schon eher ein hoher Begriff. So Konzerte, die veranstaltet werden von Jugendgemeinderäten oder so. Und das ist auch alles schön, aber oft sind die halt dann so …
Sam: Lieblos.
Chris: … nicht sehr nachgefragt von den Leuten und genau, ein bisschen lieblos. Und die geben sich da halt echt Mühe und bauen da schöne Sachen auf und das Angebot ist auch irgendwie toll. Da kommen immer coole Bands und deshalb kommen wir da sehr gerne hin, weil die das einfach echt gut umsetzen und eine schöne Atmosphäre da erzeugen.
Sascha: Ja und zu dem Punkt junges Publikum: Ich find das gerade interessant für uns zu beobachten. Weil das als Grund zu nennen, dort nicht zu spielen, ist echt nicht unser Vorsatz, den Ferdi vorhin erwähnt hat, dass wir für alle gerne Musik machen.
Chris: Wir machen nächste Woche auch eine kleine Kindergartentour. (alle lachen) Früherziehung, musikalische Früherziehung.


Was mich gestern gewundert hat, als ihr “Twist And Shout” gespielt habt, dass die das alle kannten. Das klingt jetzt total vorurteilsbehaftet, aber die sind so abgegangen.
Sascha: Das war unser erster Hit (alle lachen wieder).
Ein alter Song hattest du gesagt, ja?
Chris: ’64 haben wir gestartet, gutes Jahr.
Sam: Aber es gibt auch Leute, viele junge, die kommen immer: “Oh, euer letzter Song, “Twist And Shout”, der war Hammer, der war richtig geil!” Da steht man dann auch und denkt: “Ist der von uns?” Schade war’s.
Ferdi: Ja, es gibt echt erstaunlicherweise viele Leute, die die Beatles nicht kennen.
Sam: Ist ja nicht mal ein Beatles-Song eigentlich, aber wurde durch die …
Ferdi: Jaa, also durch die Beatles groß, jeder asoziiert den mit den Beatles.
Sascha: Man muss den auch nicht kennen, um mitzugehen. Das ist der Zauber, der in dem Song steckt. Das man ihn nicht mal kennen muss. Also weiß ich gar nicht, ob ihn so viele gekannt haben, aber er nimmt einfach so mit, dass jeder denkt, er kennt ihn.
Das ist ein Argument!
Chris:
Was ja auch lustig ist, vor allem, wenn wir auf der Straße spielen, kommen logischerweise Menschen jeglichen Alters vorbei. Und vor allem dann auch Leute aus der Generation, also für uns jetzt ältere Menschen, bleiben dann oft stehen und finden es cool, dass wir irgendwie Beatles-Songs spielen oder Roy Orbison oder Songs, die sie früher gehört haben. Und dadurch haben wir ein relativ breites Einzugsgebiet an Leuten und das finde ich eigentlich ganz cool. Weil da stehen dann oft irgendwelche Omis auf der Straße und shaken ein bisschen … (in der Runde wird gekichert)

Ferdi: … und wenn nebenan die 13-jährigen dann auch shaken, das ist schon ein cooles Bild.
Chris: Ist immer ein ganz schönes Bild, ja!
Ferdi: Um noch mal auf den “Twist And Shout” zurückzukommen, wir haben sehr viele Komplimente dafür gekriegt, dass wir uns trauen, diesen Song zu covern. Weil irgendwie viele Bands meinen, dass das irgendwie heilig ist, oder so. Da braucht man ja ganz viel Mut für und das muss ganz perfekt sein. Keine Ahnung, also ich zumindest hab da in letzter Zeit ein paar Komplimente für gekriegt, dass wir uns das trauen.
Sascha: Ich mein, nur weil das Standard ist, Ed Sheeran auf youtube zu covern (alle lachen). Das ist ja immer so: “Beatles darf man nicht …, die großen Künstler von damals darf man nicht covern”.
Chris: Uns darf man später auch nicht covern, das habe ich jetzt gesagt.

Das ist halt echt Blödsinn. Giant Rooks haben letztes Mal in Hamburg auch Bob Dylan gecovert und er (Fred, der Sänger der Truppe, Anm. des Verfassers) hat auch gesagt, das soll man ja eigenlich nicht machen.
Ferdi:
Aber wieso nicht?

Ja, weil die Leute halt spinnen. So: “Oh Dylan, der Meister.” Erstmal, Dylan ist klasse, aber wenn ich den covern will, dann cover ich den.
Ferdi:
Ich mein, das sind doch großartige Songs, die man am Leben erhalten muss. Wieso sollte man die nicht covern?

Letzte Frage! Wann kommt ihr wieder?
Alle: Schaun man.

Ferdi: Die Hamburger sind auf jeden Fall cool! Die haben eine coole Musikszene, muss ich sagen. Die gehen irgendwie bisschen anders um mit Musik und Konzerten und sowas, als jetzt andere deutsche Städte. Das macht sehr viel Spaß hier in Hamburg.
Sam: Ja, das Publikum ist so …, wir beschreiben Städte immer ganz gern  so wie die drauf sind. Und dann München ist zum Beispiel immer so das Genießer-Publikum. In Berlin ist so ein bisschen dieses coole, Denker-Publikum das ein bisschen zu cool ist, um zu tanzen. Stuttgart ist ziemlich abgehangen. Und dann kommt Hamburg. Hamburg ist immer Sex!
Ferdi: Ja, die drehen irgendwie immer durch. Das ist ziemlich cool. Die haben auch einfach keine Hemmungen zu tanzen. Das macht sehr viel Spaß dann.

Sehr viel Spaß hatten wir auch mit euch und freuen uns bereits auf ein Wiedersehen! Danke RIKAS!
Ein Wiedersehen ist in 2018 tatsächlich öfters möglich! Denn RIKAS werden diverse Festivals mit ihrer Musik glücklich machen, auf ihre “Swabian Samba”-Tour gehen und zudem den Support für Fil Bo Riva geben, alle Daten zum Glück hier!

Die Surfer: Sam, Ferdi, Chris und Sascha!

Text, Interview & Polaroid-Fotos: René Biernath
Fotos: Jules Lappoehn
Instant Film: Color (expired), For Use with 600, Round Black Frame Edition & Color, For Use with 600, Round Frame Edition

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