Renes Redekiste

Interviews & Polaroid-Fotografie

Giant Rooks

When I’m shivering in the morning dust again
Then I sliver stale bread and give it to the doves
They’re fluttering around me at the old marketplace
And then I worship somehow when we’re thinking out loud

What’s the chapel of mine?
I begged you as we walked the brown meadows
All colours were much more intense cause it had rained before

Giant Rooks- Chapels

 

Quelle: YouTube, Giant Rooks

Wer schreibt heutzutage noch Texte solcher Qualität? Und komponiert dazu so schöne Musik?
Es sind, wie oben schon zu lesen war, die Giant Rooks.

Als Vorband kennengelernt, sehe ich sie ein paar Monate später wieder, sie sind noch einmal Anheizer für Von Wegen Lisbeth. Nun also in Hamburg. Hier frage ich Sänger Frederik nach einem Interview für concert-news.de und einige Wochen später treffen wir uns im Nochtspeicher wieder.

Ein Treppenhaus wird der Zufluchtsort für unser entspanntes Gespräch.

Willkommen zurück in Hamburg!
Wie war die Show mit “Von Wegen Lisbeth”?
Wie ist das mit denen auf Tour zu sein?
Mega gut. Ja. 800 Leute, war auch ausverkauft. War wirklich überwältigend. Und das krasse war, wir spielen ja heute im Nochtspeicher und nachdem wir da Vorband waren, ist auch der Ticketverkauf ziemlich rasant angestiegen. Jetzt, heute, ist es glaube ich ausverkauft. Das hat auf jeden Fall eine gute Wirkung gehabt der Gig für uns und es hat sehr viel Bock gemacht.

Schön, das freut mich!
Okay, ihr habt ja nun auch auf dem Eurosonic-Festival in den Niederlanden gespielt.
Wie ist das so, als heißer Newcomer gehandelt zu werden?
(Beginnt zu schmunzeln) Na ja, tatsächlich bekommt man das selber eigentlich gar nicht so richtig mit. Was so geredet wird und was so gesprochen wird irgendwie. Na ja. Also es freut mich natürlich total, aber so richtig mitbekommen tut man den Hype oder dieses Newcomer-Dasein nicht so richtig.

Ihr spielt Art-Pop, steht bei euch auf facebook.
Zum Beispiel. Wie definiert ihr das und was ist der Anspruch an eure Musik?
Steht das noch bei facebook?
 
Ja.
Immer noch, echt?
Also tatsächlich haben wir uns das irgendwann mal überlegt, Art-Pop, weil wir uns von diesem Indie-Begriff, der ja mittlerweile ziemlich uncool geworden ist, loslösen wollen und uns damit abgrenzen wollen.
Deshalb haben wir gesagt, so, okay, wir machen keinen Indie, sondern wir machen Art-Pop.
Aber tatsächlich haben wir uns nicht so super viel dabei gedacht. Die eigentliche Idee war, dass wir zum einen halt schon Pop-Musik machen und das andere aber halt trotzdem noch so ein bisschen verspielt und arty ist.
Das war halt so die erste Idee. So ein Mixtape daraus. Genau. Und das war so die Idee. Aber tatsächlich können wir uns im Moment eigentlich gar nicht mehr damit identifizieren.
Das war eher so eine einfache Idee, die dann irgendwie von den Medien total hochgepuscht wurde. Und jeder hat geschrieben:
“Okay, die machen Art-Pop. So wegen Lady Gaga oder warum?” (schmunzelt)
Aber tatsächlich, das war halt so eine simple Idee und dann haben wir uns einfach so genannt, ja.
 
Bleiben wir bei eurer Musik. Ihr habt jetzt ja vor kurzem eure EP rausgebracht, New Estate.
Und die strotzt meiner Meinung nach von traumhaften Arrangements und grandiosen Texten, die einfach mal erfrischend anders sind.
Der erste und auch namensgebende Song der EP, New Estate,
wie persönlich ist dieser Text?
Insbesondere der Abschnitt: “I thought I have always stayed the same at least in your eyes”.
Na ja, ehrlich gesagt, gar nicht so richtig persönlich. Es ist eher eine fiktive Geschichte, die wir uns ausgedacht haben. Über zwei Personen, die sich mit der Zeit entfremden. Das war eigentlich die simple Idee dabei.
 
So gar kein persönlicher Einfluss?
Na, ich denke jeder Text ist irgendwie persönlich und die Grundideen stammen immer aus Erfahrungen, die wir selber so gemacht haben. Und deshalb ist es wohl schon ziemlich persönlich, aber viel mehr will ich auch gar nicht drüber sprechen. Ich finde es immer gut, wenn man gar nicht so viel über die Texte spricht, sondern jeder sich da selber irgendwie dabei was denken kann. So wie du, wo dir der Satz jetzt zum Beispiel im Auge geblieben ist.
 
Ja genau, der ist echt irgendwie hängengeblieben.
Ja cool!
 
Bei Bright Lies, um nochmal auf der EP rumzuhämmern. Da habt ihr am Anfang dieses Instrumental, das ihr dann auch nochmal zum Übergang einsetzt, bei “Pretend to feel your undertow” und dann geht es ja zu “Ophelia”, zu dem ersten.
Das, was ihr so dazwischen spielt, hat so ein bisschen einen orientalischen Touch, weiß ich nicht.
Findest du? Okay!
 

 
Ja, ist halt wirklich geil!
Aber wie stolz ist man, wenn man sowas fertig aufgenommen hat?
Ach, tatsächlich gibt es den Song, oder die ganzen Songs, außer New Estate schon über eine gewisse Zeit. Die Frage war, wie stolz einen das macht. Also natürlich total stolz, weil es die erste EP ist, die wir mit einem richtigen Produzenten und einem Label und sowas aufgenommen haben. Und auch eine EP, die wir jetzt selber in den Händen halten können. Das ist halt einfach toll, wenn man sowas hat. Und gerade, was noch viel schöner ist, dass es auch auf Vinyl gepresst wurde und das macht uns besonders stolz, weil wir sehr große Vinyl-Fans sind. Genau und irgendwas wollte ich sagen am Anfang. Genau, die Songs, die wir aufgenommen haben, also Slow, Mia & Keira, Bright Lies, Chapels, die gibt es eigentlich schon seit zwei, zweieinhalb Jahren. Und die haben wir halt nur noch nie aufgenommen. Das ist halt das Ding. Und deswegen so richtig stolz, also stolz natürlich schon, aber es ist halt für uns jetzt nichts mehr besonderes, weil wir die Songs halt schon seit zweieinhalb Jahren spielen, ja. Also es ist tatsächlich so ein bisschen: “Okay, er klingt fett so, der Song. Aber okay, hat sich jetzt auch nicht viel dran gemacht.” Wir kennen den halt so. Wir wollten ihn eben genauso aufnehmen, wie wir es live spielen. Das war uns sehr wichtig. Das wir alle Songs, die wir aufnehmen wollen, auch wirklich so aufnehmen, wie wir sie live spielen. Das war die Idee auch bei der ganzen Produktion.
 
Jetzt kommen wir doch einmal noch zu den Texten, auch wenn du da gar nicht so viel zu sagen wolltest. Ich finde, da sind viele Reflektionen, Zurückschauen, auch Loslassen vielleicht …, gerade so im letzten Track.
Slow?
 
Ja. … und nachdenkliches zu finden.
Schreibst du deine Texte komplett alleine und was inspiriert dich da oder euch?
Nee, also Finn schreibt viel Texte und ich auch. Finn, der Gitarrist schreibt sehr viel Texte. Genau, dann schreiben wir meistens zusammen. Ich hab meistens schon so ein paar Ideen und dann hat er auch ein paar Ideen und so ergänzen wir so. Vor allem geht es uns auch viel um so, wie klingen Wörter so. Also ich hab halt meistens schon Wörter, die ich so ein bisschen singe und dann machen wir das eigentlich so, dass ich ein paar Wörter schon so habe und dass wir den Klang von den Wörtern gut finden. Und wenn die Wörter passen irgendwie, zu dem Text, dass wir dann auch die Wörter nehmen oder auch andere Wörter nehmen, die ähnlich klingen. So. Also wir achten schon sehr auf den Klang der Wörter, weil das auch wie ein Instrument genutzt werden kann. Genau. Was war die Frage? Sorry.
 
Generell einfach, was inspiriert dich da?
Bei dem letzten Text, Slow, ist ja eigentlich schon, wie der Titel verrät, über dieses Gegensätzliche zu dem schnellen, schnelllebigen Leben und der schnelllebigen Gesellschaft. Eigentlich so ein bisschen Gesellschaftskritik kann man da vielleicht auch mit reininterpretieren. Das wird mit der Metapher unterstrichen, das ist ein Ritt sozusagen, auf einem Delfin.
 
Okay, letzte Frage schon. Man, das ging echt flink.
Wenn wir jetzt schon von Inspiration sprechen, was sind denn eure musikalischen Vorbilder? Man kann euch ja schlichtweg nicht nur auf eure Texte reduzieren.
Also, ja, musikalische Vorbilder, das ist einfach so wahnsinnig viel. Wahrscheinlich hat mich die, ich glaube fast, dass mich die Musik, die ich früher gehört habe, viel mehr beeinflusst, in meiner eigenen Kreativität und meinen eigenen Songs. Viel mehr, als das was ich heute höre, glaube ich. Weil ich glaube, je jünger man ist, desto mehr kann man auch dadurch lernen so. Und ich glaube halt wirklich, dass ich, als ich früher so Sachen wie Biffy Clyro und sowas gehört habe und die erste EP von Mumford And Sons und solche ganz frühen Sachen, wie das erste Ben Howard-Album und alt-J und so, dass mir das viel mehr Kreativität gegeben hat, als die Sachen, die ich jetzt höre so. Weil da so ein Grundstein gelegt wurde von der musikalischen Idee und überhaupt auch des Geschmacks.
 
Ja, das prägt ungemein, das glaube ich auch.
Ja, glaube ich auch, total. Und ich habe auch zum Beispiel ganz oft, Rio Reiser hatte ich so ein Mixtape, mega geil, hatte mir meine Mutter damals geschenkt. Und von Nina Hagen.
 
Nein!
Ja, wirklich. Nina Hagen, “Ich hab’ den Farbfilm vergessen” oder so hieß das Ding glaube ich, habe ich mir 1000 mal angehört, fand ich richtig geil.
 
Danke für die tolle Unterhaltung!
 
 
Text, Interview & Polaroid-Fotos: René Biernath
Instant Film: Color, For Use With 600, Classic White Frame

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