Otterndorf, Winter, Schnee und Tidauhimović. Vor 14 Jahren am Hamburger Hauptbahnhof nach dem Angels & Airwaves-Konzert kennengelernt, sind wir dann 2014 noch zusammen auf die Trabrennbahn gepilgert, um blink-182 den damaligen Sommer beschließen zu lassen. Danach sind wir zwar immer lose in Kontakt geblieben, mal gab es eine Konzerteinladung, ein anderes Mal fand eine Postkarte ihren Weg, doch nie ist mehr draus geworden. Jetzt aber bildet die Veröffentlichung seines Soloalbums die Basis für unser Wiedersehen.
Für viele ein unbeschriebenes Blatt, doch tatsächlich ist Tarek, der Mann hinter der Maske Tidauhimović, schon lange in der lokalen Musikszene vertreten und in verschiedenen Formationen unterwegs. Was sich nun geändert hat? Das soll in unserem Gespräch die erste Frage sein, darum schließe ich hier sogleich mit folgender Frage an…
Der Anfang
2024 kam dann deine EP To Me 19 Years Ago.
Wie kam es zu dieser Entscheidung, jetzt solo aufs Parkett zu treten?
Tidauhimović: Na ja, also bisher war ich immer nur hier in lokalen Bands vertreten. Das auch tatsächlich schon seit dem Ende der Schulzeit. Und das ging jahrelang gut. Es gab natürlich, wie es dann manchmal so ist, auch einen Wechsel der Bands. Mal mit den gleichen Leuten, mal mit neuen. Und irgendwann kam der Punkt, dass man auch einfach mal für sich selber zu Hause Demos machen wollte, hauptsächlich um dann vielleicht auch anderen zu zeigen: „Ey, ich habe Song-Ideen“, und zwar habe ich jetzt nicht nur ein Gitarrenriff dabei, sondern wirklich auch mal eine grobe Grundstruktur von einem ganzen Song, wie man sich das Ganze zum Beispiel vorstellt.
Und als ich 30 war, da kam natürlich so ein Punkt, wo man so ein bisschen zurückguckt. Hätte ich was anders machen sollen? Was habe ich irgendwie erreicht, was habe ich nicht erreicht? Kurz vor einem Urlaub, in dem ich dann auch 31 geworden bin, habe ich mir dann gesagt, komm, eine Sache willst du noch schaffen mit 30 und zwar nochmal selber Musik rausbringen.
Das erklärt den Titel dann vielleicht auch so ein bisschen. Ich habe da niemandem von erzählt, außer jetzt vielleicht meiner Freundin. Es war einfach ein Ding von mir für mich, dass ich es für mich schaffen wollte, innerhalb dieses Lebensabschnitts einfach nochmal Musik rausgebracht zu haben. So. Und ich hatte da ein paar Songs als Demos fertig, die es ja quasi bis heute auch immer noch sind. Also in dem Release ist nichts gemixt, nichts gemastert, es ist einfach nur rausgebracht. Und das ist auch schon die Geschichte dazu.
Du hast in einem Fragebogen bei Apple Music deinen Song Berlin hervorgehoben. Welche Geschichte verbirgt sich denn hinter diesem Stück? Du teaserst das ja so an und…
Tidauhimović: Genau, also der Song ist auch quasi der einzige Song, den ich dann noch konkret für diese EP fertig geschrieben habe. Nicht geschrieben habe, sondern fertig geschrieben habe. Diese Grundidee von dem Song, die hatte ich schon jahrelang immer mal so auffe Fingern. Aber in dem Song geht es tatsächlich darum, dass ein sehr, sehr guter Kumpel weggezogen ist und man natürlich wusste, dass damit auch Änderungen einhergehen und so weiter. Und das ist ein bisschen die Verarbeitung dessen, dass man quasi akzeptieren musste, dass jetzt nicht nur Entfernung dazwischen liegt, sondern auch so der Kontakt halt leider wenig bis gar nicht mehr da ist. Und das war halt mehr als nur ein guter Kumpel. Ein Musiker kann sich nun mal glaube ich einfach durch seine Musik am besten ausdrücken. Und deswegen ist dann aus diesen Gedanken, Gefühlen, dieser Song geworden, ein fertiger Text. Das ist halt einfach das Verarbeiten eines Verlustes von einem guten Freund.
Ist der noch verlustig oder habt ihr wieder Kontakt?
Tidauhimović: Nee, leider nicht. Also bisher nicht. Ich weiß nicht was in der Zukunft liegt, aber bisher ist der Status Quo, seitdem der Song rauskam, immer noch so.
Deine EP war ein Geschenk an dein 19-jähriges Ich.
Für wen ist dein kommendes Album, Whispered Wants And Soft Goodbyes?
Tidauhimović: Ja, das ist quasi für alle – also auch für mich –, die vielleicht Kämpfe austragen, von denen sie aber nichts erzählen und da alleine durchmüssen. Aber denen möchte man dann auch irgendwie das Gefühl mitgeben, dass man vielleicht doch nicht so allein ist, wie man denkt.
Weil die Sachen, die in den Songs da halt angesprochen werden oder auch Hintergrund waren, diese Songs überhaupt erst entstehen zu lassen, die machen nicht nur wir oder die Leute im Fernsehen irgendwie durch, sondern wenn man jetzt in der U-Bahn sitzen würde und mal die Leute durchzählt und da vielleicht 50 Leute sitzen, würde ich wetten, dass 45 von denen vielleicht ähnliche Sachen durchmachen, wie man selber. Mit all den Ängsten, Gedanken, Träumen, was auch immer. Kurz gesagt für alle Leute, die Kämpfe austragen, von denen sie vielleicht einfach nichts erzählen.
Und sich einfach auch bewusst machen, dass das vielleicht auch manchmal einfach so dazugehört, weil das sucht sich niemand aus, niemand wünscht sich das. Aber wichtig ist zu wissen, dass man nicht irgendwie ausgesucht wurde, um irgendwie irgendwas beweisen zu müssen, sondern so was passiert halt einfach. In welcher Form auch immer, seien es körperliche Sorgen, Kopfsorgen, Geldsorgen, das muss man ja nicht auf eine Sache festdrücken, die mentale Schiene oder so, das kann ja vielleicht auch einfach sein. Keine Ahnung, ich habe irgendwo anders Probleme, die ich einfach nicht in den Griff kriege, zum Beispiel, was weiß ich, von ich kriege mein Auto nicht repariert zu, mein Essen schmeckt immer kacke (schmunzelt). Vielleicht ist das auch nur so ein kleiner Funke, aber wenn das einfach etwas ist, was einen beschäftigt und auch was mit einem macht, dann hat das halt einfach einen viel größeren Effekt, als man halt einfach von außen betrachten kann.
Du hast das eben schon so gut gesagt, es wurde auch keiner ausgesucht zu leiden. Quasi so: „Du musst das jetzt hier und allen anderen, denen geht es gut“, das ist so ein Eindruck, den man gerne mal hat, aber das ist halt echt Banane.
Tidauhimović: Manche nutzen sowas ja auch irgendwie als Chance, dass sie sagen, mir wurde jetzt eine Herausforderung von irgendwem gestellt. Manche würden sagen, derjenige kommt von oben oder wie auch immer und versuchen das dann auch so ein bisschen als Motivation zu sehen. Wenn man jetzt sagt, das ist irgendwie der Weg, der für mich vorgesehen ist, oder eben halt auch nicht, aber der Weg ist halt da. Da liegen Steine, Stöckchen, Klippen, Täler, Gipfel, wie auch immer und man sollte einfach versuchen, weiterzugehen. Und wenn man eine Pause braucht, macht man eine Pause und dann einfach jeder so, wie er kann.
Whispered Wants and Soft Goodbyes

Whispered Wants And Soft Goodbyes
Jetzt der Sprung von der EP zum Album.
Was war dieses Mal anders für dich?
Was hat dich dazu gebracht zu sagen, okay, nun habe ich mich bereits beschenkt – jetzt aber Attacke!?
Tidauhimović: Der Grund fürs Album ist einfach, dass ich natürlich immer hier in meiner kleinen Butze in meiner Freizeit sitze und diese bereits angesprochenen Demos natürlich anfange oder weitermache. Und es gab bei mir halt ein paar gesundheitliche Dinge, die dafür gesorgt haben, dass ich da so ein bisschen mehr Zeit für hatte. Dieses daran arbeiten, das hat mir in dieser Zeit auf jeden Fall auch geholfen, da so ein bisschen besser mit klarzukommen und auch durchzukommen. Als die Songs dann mehr wurden, man sich mehr mit dem beschäftigt, weitergearbeitet hat, kam dann irgendwann der Gedanke auf, dass die sich doch eigentlich auch als Album ganz gut eignen würden. Und das habe ich mir dann erstmal so grob im Hinterkopf abgespeichert, dass diese Sachen, an denen du jetzt gerade wirklich aktiv bei bist, mal ein Album werden können oder könnten.
Die Arbeit daran lief dann eigentlich einfach stetig weiter. Diese Planung wurde von Woche zu Woche immer so ein bisschen fester, sodass ich mir dann irgendwann gesagt habe, komm, da machen wir jetzt einfach ein Album draus und ich brauche dafür halt so lange, wie ich brauche. Und so kam dann einfach mit mehr Zeit für sich selbst zustande, nochmal das fehlende Puzzleteil in die Vita einzufügen.

Whispered Wants And Soft Goodbyes.
Wieso sind gerade diese Worte zum Albumtitel geworden?
Tidauhimović: Das ist eine gute Frage. Man überlegt sich ja auch manchmal, wie würde zum Beispiel so ein Albumcover aussehen. Ich fand es für mich auch als Konsument immer ganz cool, wenn Sachen einfach irgendwie einen coolen Namen hatten oder irgendwie irgendwas an sich hatten, weiß ich nicht – ich lese das und denke mir da selber irgendwas bei. Das muss ja nicht das sein, was der Künstler sich vielleicht dabei gedacht hat, aber irgendwie löst es etwas in mir aus. Der Titel soll ein bisschen wiedergeben, worum es im Album geht. Es liest sich schön, also finde ich zumindest und klingt vor allem auch irgendwie schön, also wenn man das einfach so ausspricht.
Ich habe mir eine Liste geschrieben mit Ideen, wie das Album dann heißen könnte, das war auch eine der letzten Sachen, die ich so organisatorisch für das Ding gemacht habe, weil ich erst die Songs fertig gemacht habe. Und dann überlegt man, benennt man das nach einem der Songs, die drauf sind – das gibt es ja auch ganz oft –, oder nach irgendetwas ganz anderem. Aber ich habe mich dann tatsächlich dafür entschieden, dass ich einfach eine Zeile aus einem Song von dem Album nehme, weil die mir auch einfach beim Schreiben einfach im Kopf geblieben ist. Ich finde einfach, diese Worte, die… da kann sich jeder auch irgendwie sich selber wiederfinden.
Manchmal hat man einfach Sehnsüchte, Wünsche, was auch immer, mag die aber vielleicht einfach nicht laut aussprechen und muss aber auch vielleicht im Stillen mit Sachen abschließen. Ich finde, dass dieses Album das auf jeden Fall in weiten Teilen sehr weit aufgreift und diese Thematiken auch so ein bisschen behandelt. Und ja, ich habe noch kein anderes Album gefunden, das so heißt… (beide schmunzeln)
Und „Go!“
Tidauhimović: Und dann war das für mich auf jeden Fall ein „Go!“, zu sagen, komm, zumindest das sicherst du dir und machst das dann dementsprechend fest.
Der Elefant im Raum
Wir haben hier so ein bisschen den Elefanten im Raum.
Irgendwie schwebt er mit im Raum, auch in deiner Musik. Was möchtest du über Tom DeLonge sagen?
Tidauhimović: Ja, also dem Magger, wenn ich den nochmal treffen könnte, weil einmal durfte ich ihm ja schon mal bei einer Autogrammstunde die Hand schütteln…, wenn man jetzt so ein bisschen Wunschdenken macht und man sich irgendwie sagt…
Dein „Whispered Want“.
Tidauhimović: Ja, zum Beispiel, du hättest mal fünf Minuten mit diesem schwer beschäftigten Menschen. Ich glaube, ich würde mich einfach bei ihm bedanken, für ihn, seinen Einfluss, seine Musik und vor allem, was er auch mit seiner Musik ausdrückt und was das in einem auslösen kann. Das klingt vielleicht auch immer so kitschig in Filmen und Serien und in Büchern, aber das ist wirklich nicht gelogen, wenn ich sage, dass seine Musik einen, aber auch tatsächlich durch wirklich, wirklich schwere Zeiten gebracht hat. Vor allem seine Angels and Airwaves-Sachen.
Aber auch, was das Gitarrenspiel angeht, da habe ich mir ganz viel von ihm abgeguckt und ebenso sounddesignmäßig. Und einfach alles, was dieser Typ so ein bisschen von sich preisgibt und man so aufsaugen kann, das habe ich, glaube ich, auch gemacht. Und ich wäre auf jeden Fall auch musikalisch gesehen nicht da, wo ich bin, ohne diese Motivation von dem mitzunehmen, was er mit seiner Musik ausdrücken kann. Ein Danke wäre nicht genug, aber es wäre zumindest etwas.
Würdest du ihm deine Platte zeigen?
Tidauhimović: Na, wenn er die Zeit dafür hätte, auf jeden Fall (lacht).
Also gibt es da keine Scheu?
Tidauhimović: Nein, natürlich nicht, weil ich sage mal, wenn ich jetzt sagen kann: „Ey, Magga, pass mal auf. Deine Musik hat quasi auch das hier mit erschaffen, weil es einfach ohne diesen Einfluss anders klingen würde oder vielleicht auch gar nicht geben würde. Hör doch mal rein. Was sagst du?“ Jetzt nicht im Sinne von, was könnte ich besser oder schlechter machen, sondern einfach nur, was sind deine Gedanken dazu?
„Was macht das mit dir?“
Tidauhimović: Ja, genau. Und er sagt ja auch irgendwie immer so kryptische Sachen, wie Musik ist toll, wenn sie dich zum Nachdenken bringt, aber sie ist richtig toll, wenn du tanzt oder so, keine Ahnung. Manchmal will er vielleicht auch ein bisschen zu philosophisch sein. Also zumindest in Interviews, weil in seinen Songs ist er das, das ist nicht von der Hand zu weisen. Und wenn man sich einfach mal so ein bisschen die Zeit nimmt, sich Interviews oder Behind the Scenes oder irgendwas anguckt, wo er wirklich ernsthaft, konzentriert ist und auch irgendwie einfach in dem Sinne in seinem Element ist, da merkt man einfach, dass da ein superintelligenter Mensch ist, der einfach weiß, was er möchte.
Der manchmal weiß, wie er da hinkommt und wenn nicht, sich aber auch Leute sucht, die ihm helfen. Wie zum Beispiel Critter, was er auch bei den ersten Platten gemacht hat, weil er das als Produzent auch einfach nicht verkacken wollte oder jetzt auch mit seinen Büchern. Da sind glaube ich auch wenige Sachen, die wirklich nur er geschrieben hat. Sich dann aber auch einfach eben zu sagen, ich weiß, ich kriege das nicht alleine hin, ich suche mir dafür Hilfe. Vielleicht ist das auch so ein Ding, wovon man noch viel lernen kann, weil vielleicht muss man auch nicht jeden Kampf alleine bestreiten, nur weil einem vielleicht irgendwie das Umfeld oder Medien was anderes erzählen wollen.
Einzelkämpfermodus.
Tidauhimović: Ja, weil du sonst irgendwie nicht stark genug oder ein Weichei bist. Und ich meine, er selber ist ja auch quasi einfach so ein Band-Typ.
Er ist halt einer, der, glaube ich, lieber Tandem fährt.
Tidauhimović: Genau. Und da kann man vielleicht nochmal so einen ganz kleinen Bogen schlagen, weil so fühle ich mich halt auch, denn ich habe nie irgendwie musikalisch was alleine gemacht, war auch immer in Bands und präferiere das auch, immer ein Teil einer Band zu sein. Wie zum Beispiel auch jetzt, ein Interview oder so, das habe ich halt sowieso selten gemacht, aber alleine erst recht nicht und das hat dann aber auch nichts mit Verstecken zu tun. Aber es macht halt auch einfach mehr Spaß – da mit Kumpels Musik zu machen, zu schreiben, auf der Bühne zu stehen und wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich halt immer in Bands Musik machen. Natürlich für sich selbst zu Hause auch immer, um sich einfach selbst so ein bisschen zu bedienen, aber in Bands ist es halt einfach schöner.
Dieses Demokratische dahinter, du wirst auch nochmal hinterfragt.
Tidauhimović: Genau, du hinterfragst selber noch und wenn deine Band jetzt aus drei, vier oder fünf Leuten besteht, kriegst du halt genauso viele Inputs und Outputs und so weiter. Und wenn dann ein Song fertig ist und fünf Leute da richtig stolz drauf sind, auf das, was du jetzt zusammen mit denen innerhalb von ein paar Proben geschaffen hast – das ist schon ein wirklich gutes Gefühl.
Ein Blick hinter die Kulissen



Kommen wir nochmal zurück zu deinem Album.
Wie sah die Arbeit daran genau aus? Es scheint so, als ob du das alles alleine machst.
Tidauhimović: Genau, also das ist eigentlich sehr schnell beantwortet. In meiner Butze, in meinem kleinen „Studio“, stehen ein Abhörmonitor, ein Laptop, ein Interface, ein paar Verstärker, ein paar Gitarren und dann – wenn Material ist – wird auf Aufnahme gedrückt. Dann versuche ich da was zu erschaffen, nicht mehr, nicht weniger. Und ja, wie du schon gesagt hast, habe ich für das Album tatsächlich – bis auf einen Song – komplett alles alleine gemacht. Also jetzt was das Musikalische angeht, Mix und Master habe ich abgegeben, aber auch ganz bewusst, weil ich da einfach keine Ahnung von habe und ich auch nicht so tun werde als ob ich die hätte (lacht).
Fabian Schulz macht das, oder?
Tidauhimović: Ja genau und da wirklich einen großen Shoutout an ihn! Der macht eigentlich Death Metal und solchen Kram. Ich glaube, er ist so ein Typ, den packen viele Menschen auch sofort in die falsche Schublade, weil er das auch einfach so ein bisschen lebt. Das ist mein Eindruck, ich habe ihn jetzt auch ein paar Jahre nicht gesehen, aber er lebt das halt, macht auch selber Mucke und dass er sich überhaupt meiner Musik angenommen hat – da wirklich einen ganz, ganz großen Shoutout! Weil das ja noch mal was ganz anderes ist, als was er sonst irgendwie gewohnt ist. Allein dass er sich darauf eingelassen hat, anstatt dieses Grindcore oder Black Metal und Speed Metal oder was auch immer da regelmäßig in seinem Studio ist. Dass er sich da stundenlang meine melancholisch-theatralischen Sachen gibt… Also wirklich – Shoutout dafür, dass er da so aus seiner Bubble steigt, um mir zu helfen, mein erstes Album rauszuhauen.
Ich hab hier jetzt einmal so zwei Textschnipsel:
„It was always you“, „Insecurity crashing like a wave“, ich möchte die Texte gar nicht durchleuchten, weil eigentlich soll sich jeder selbst ein Bild machen.
Aber wie persönlich ist das Ganze? Oder bedienst du dich auch fiktiver Szenarien?
Tidauhimović: Tatsächlich beides. Also einige Songs, wie zum Beispiel auch Berlin, persönlicher geht es ja quasi gar nicht. Aber ich habe riesige Schwierigkeiten Texte zu schreiben, das kommt bei mir einfach nicht natürlich. Es fällt mir leichter die Musik zu machen, also Gitarrenparts zu schreiben, gucken was für Drums da drauf könnten, aber mein großes Manko, was ich halt auch selbst bei mir sehe, ist das Texten, da tue ich mich auch wirklich schwer mit. Das sind auch mit die Sachen, die teilweise in meinem Prozess mit am längsten dauern. Natürlich geht es manchmal ein bisschen leichter, aber als ich daran gearbeitet habe, waren irgendwann alle Tracks quasi soweit fertig, dass sie gemixt und gemastert hätten werden können.
Doch kaum Songs hatten Texte, sprich auch noch keine Gesangsspuren. Das heißt, du stehst noch vor der Herausforderung überhaupt die Texte zu schreiben, plus noch die Gesangsmelodien hinzubekommen, was ich noch schlechter kann als Texten, ist mir Gesangsmelodien auszudenken (lacht). Und deswegen zieht sich das mit am längsten. Da sind natürlich jetzt so ein paar Sachen bei, die wirklich komplett persönlich sind, wie jetzt von dir auch angesprochen, „It was always you“, aber es gibt zum Beispiel auch Songs, wo ich mich dann auch an fiktiven Geschichten orientiert habe. Da habe ich dann einfach versucht das für mich zu interpretieren, wie das aus der Sicht von fiktiven Charakteren sein kann, mit Gedanken und Wünschen und Träumen und was die vielleicht in diesen Momenten noch hätten irgendwie sagen wollen. Das ist schon so ein ganz guter Mix.
Hast du da einen Beispielsong?
Tidauhimović: Ja, lass mich mal eben ganz kurz mein Büchlein holen, also wenn ich jetzt mal gucke, zum Beispiel Murder of Crows, also der zweite Song auf dem Album. Das ist zum Beispiel so ein Ding, was komplett an eine fiktive Geschichte angelehnt ist. Es geht um zwei Charaktere aus einem Videospiel, die öfter mal interagieren, wenn man einfach jemanden braucht, wo man vielleicht kurz den Kopf auf die Schulter legen kann. Oder wenn man jemanden braucht, mit dem man einfach sprechen kann, damit es einem ein bisschen besser gehen und man weitermachen kann. Aber der letzte Track auf dem Album ist schon 16 Jahre alt, weil das ist der allerallererste Track, den ich jemals geschrieben habe – der auch Text hatte. Den habe ich geschrieben, zehn Minuten nachdem meine erste Freundin mit mir Schluss gemacht hat. Und ich glaube viel fiktiver – ein Videospiel – zu persönlich, „Meine erste Liebe ist nicht mehr da“, größer kann die Spanne glaube ich auch gar nicht sein. Und der erste Track vom Album ist auch der allererste Song, den ich jemals geschrieben hab, aber der hatte halt auch bis zur Arbeit am Album nie einen Text und ist halt quasi noch älter als der andere. Also ein paar Songs sind extra dafür geschrieben, aber viele existieren auch wirklich schon wesentlich länger.
Zukunft
Tarek, Hand aufs Herz, was möchtest du mit deinem Album erreichen?
Tidauhimović: Ich möchte einfach nur meine Musik nach draußen bringen. Also ich möchte die einfach nicht mehr wie früher nur für mich behalten. Ich möchte einfach die Songs nach draußen geben, sodass jeder die Chance hat, auch wirklich meine Musik zu hören. Und wenn nur eine Person auf dieser Welt irgendwie mal durch den Algorithmus – oder durch was auch immer – über irgendeinen Song von diesem Album stolpert, in welcher Form auch immer und den sich irgendwie wegspeichert und der vielleicht auch mal in einer blöden Situation weiterhelfen kann, dann kann ich mir von der Musik auch gar nicht mehr erhoffen. Weil wie gesagt, wir alle haben unsere Tracks, die wir uns anmachen, wenn es uns irgendwie auf eine bestimmte Art und Weise geht und wenn auch nur ein Mensch, egal wo er ist, egal wer er ist, wo er herkommt, wie er aussieht, irgendwie sagen kann: „Ey, dieser Song, der hilft mir irgendwie gerade“, oder lass es auch nur ein Mal sein, man hört den und es geht einem dadurch irgendwie besser. Oder wie auch immer, man kann sich da irgendwie ein bisschen dran festhalten, dann ist damit eigentlich schon mehr als genug gemacht.
Ich habe auch gelesen, dass du gerne mal auf Tour gehen würdest.
Tidauhimović: Ja (lacht)!
Nimmst du mich mit?
Tidauhimović: Klar!
Warten wir also ab, was die Zukunft bringt. Alles Gute für dein Album!
Text, Interview und Polaroid-Bilder: René Biernath
Die Studioeindrücke und Covergestaltungen stammen von Tidauhimović selbst.

Tidauhimović 2026.
Nachtrag vom 14.05.2026
Seit dem 01.05.2026 ist das Video zu A Beginning online abrufbar. Viel Spaß damit!
Das Album Whispered Wants And Soft Goodbyes erscheint morgen.
Quelle: YouTube, Tidauhimović


